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Matthias Matussek im F.A.S.-Gespräch : Wir haben den besseren Weihrauch

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In einem Punkt weichen Sie ab von der katholischen Lehre: Die Kirche setzt sich sehr für die Gleichberechtigung der Muslime ein, sie kämpft für Toleranz und Nächstenliebe. Sie sagen, der Islam gehöre nicht zu Deutschland.

Ich bin froh, dass ich die Gelegenheit habe zu sagen, dass ich absolut für Toleranz und Nächstenliebe bin. Aber ich bin auch für Randschärfe. Und ich bin dagegen, wenn religiöse Identitäten gefälscht werden. Deshalb halte ich die Rede des Bundespräsidenten, in der er gesagt hat, der Islam gehöre zu Deutschland, für die reine Klitterung. Ich bin tatsächlich der Meinung, der Islam gehört nicht zu Deutschland. Muslime gehören seit vierzig Jahren zu unserem Straßenbild, gar kein Zweifel. Aber der Islam gehört nicht zu unserer religiös-kulturellen Tradition.

Mein Kollege Patrick Bahners hat vorgeschlagen, diesen Satz als Verpflichtung zu lesen. Der Islam gehört zum Gültigkeitsbereich des Grundgesetzes. Die Menschenrechte gelten in der Moschee.

Wenn man es so herum liest: ja. Aber das muss man dann auch klarmachen. Man muss sagen: Hier wird nicht eine Tradition beschrieben, sondern eine Handlungsethik formuliert.

Erinnert Sie die populäre Islamkritik nicht an den Kulturkampf Bismarcks? Ist das nicht eine urkatholische Erfahrung: dass man unter dem Verdacht steht, nicht loyal zu sein zum preußisch-wilhelminischen Staat, sondern das Gesetz der Kirche über das der staatlichen Obrigkeit zu stellen?

Soweit ich weiß, haben Katholiken damals keine Züge in die Luft gesprengt, keine Giftgasattentate vorbereitet, weder Angst noch Schrecken bereitet. Ich finde, es gibt eine üble Asymmetrie. Wenn in Florida dieser irre Pastor einen Koran verbrennen will, schalten sich Clinton und Obama ein, und die ganze Weltöffentlichkeit ist besorgt. Wenn in Berlin die Abtreibungsbefürworter eine Bibel verbrennen und Kreuze in die Spree werfen, ist das nicht einmal eine Meldung im Lokalteil. Und wenn Mathieu Carrière in einer Talkshow die katholische Kirche als kriminelle Vereinigung bezeichnet, johlt das Saalpublikum, und der Katholik Markus Lanz sitzt da und sagt nichts.

Machen wir uns nichts vor: Das war die Kirche auch, und ich finde es zutiefst unkatholisch, nicht daran zu leiden: an der Verbrechensgeschichte der Kirche.

Das ist Stuss, absoluter Stuss. Die katholische Kirche ist auch eine, die Widerstand geleistet hat im Dritten Reich, katholische Priester mussten sterben dafür, katholische Schwestern kümmern sich um die Armen in aller Welt, die katholische Soziallehre hat dafür gesorgt, dass der Kapitalismus nicht aus dem Ruder läuft

Es gibt eine Erfolgsgeschichte und eine Verbrechensgeschichte, und jedem Widerstandskämpfer kann man einen Pfaffen entgegenstellen, der mit Franco paktiert, einen südamerikanischen Caudillo gesegnet hat.

Jesus hat seine Kirche auf Menschen gebaut, und Menschen sind fehlbar, damit haben wir zu leben.

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