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Maßvolles Bauen : Haben fertig

  • -Aktualisiert am

Müssen Großprojekte immer teurer und immer später fertiggestellt werden? In Rotterdam wird eine Hafenerweiterung 150 Millionen Euro billiger als veranschlagt, und in Italien zeigt sich, dass nicht einmal dort planerisches Versagen ein Naturgesetz ist.

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          Nicht alle Großprojekte werden immer teurer und niemals eröffnet. Als geplagte Deutsche, deren satte Obrigkeit nurmehr hinkriegt, einen Bahnhof, eine Konzerthalle oder einen Flughafen unter Milliardenlasten in ewige Baugruben zu verwandeln, blickt man wehmütig über die Grenzen.

          So konnte die niederländische Regierung vor wenigen Tagen die Erweiterung des Rotterdamer Hafens freigeben. Nicht nur können jetzt termingerecht Containerboote für deutsche Produkte an der „Maasfläche 2“ anlegen; das Projekt kam die Steuerzahler auch noch hundertfünfzig Millionen Euro billiger als vorgesehen. Man habe, so die Ingenieure, angesichts der öffentlichen Geldknappheit eben gespart: Hier ein offener Abflusskanal statt einer teuren Röhre, hier ein Blockdamm statt eines massiven Riesendeichs, und immer nur die preiswertesten Materialen. Ganz einfach.

          Sie haben gut feiern: Eröffnung der Hafenerweiterung von Rotterdam

          Nicht minder stolz sind jetzt die Italiener über ihr derzeit größtes Infrastrukturprojekt namens „Port of Rome“: In Civitavecchia wird für eine knappe Milliarde Euro das Schiffs-Terminal groß erweitert, die ganze hässliche Hafenfront samt überflüssiger Riesensilos freigeräumt und zu Flanier- und Restaurantzonen umgewandelt. Und in der mächtigen, vorher unsichtbaren Festung aus der Renaissance entsteht ein Meeresmuseum. Was aber das Sensationelle ist: Das erste Baudrittel wurde ein halbes Jahr vor der Zeit fertig. Dieses „Miracolo“ verdankt sich wohl auch dem jungen Führungsteam - der verantwortliche Hafendirektor ist gerade einmal neununddreißig und damit für Italiens Gerontokratie noch ein halber Embryo. Außerdem will man in Civitavecchia bald Geld verdienen mit so ziemlich der einzig verbliebenen Boombranche Europas, nämlich mit dem Kreuzfahrtgewerbe für die vielen fidelen Senioren. Ob die angepeilten 36.000 täglich verschifften Touristen für Rom und Umgebung Fluch oder Segen darstellen, ist Ansichtssache. Doch immerhin steht die Infrastruktur jetzt bereit.

          Nun ist es nicht so, dass die Italiener die alte Sitte der profitablen Bauverschleppung komplett verlernt hätten: Venedigs Mose-Deich, die Camorra-Autobahn durch Kalabrien, die Renovierung der Großmuseen in Mailand, Venedig, Florenz oder der Filmpalast am Lido - das liegt alles halbfertig brach in der Endloskrise, dieweil Millionen Menschen keine Arbeit haben. Allerdings scheint das planerische Versagen auch kein Naturgesetz zu sein. Vielleicht sollten die überforderten Macher der Elbphilharmonie, von Stuttgart 21 oder von Berlin-Schönefeld ja einfach mal in Rotterdam vorbeischauen. Und dann von Civitavecchia lernen.

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