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500 Jahre Reformation : Ach, Martin!

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Bitte nicht den Grobian mitfeiern! Martin Luther, fünfhundert Jahre nach Beginn der Reformation. Bild: Andreas Pein

Die Evangelische Kirche fragt sich: Welchen Luther soll man feiern, und wie? Und was machen wir mit den wissenschaftlichen Spaßbremsen?

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          Wir wollen ein großes Fest feiern. Was wollt ihr denn feiern? Wir wollen Martin Luther feiern. Wie, den alten Grobian, den Kirchenspalter und Bauernverächter, den Judenbeschimpfer und Weltuntergangsdenker, den wollt ihr ernsthaft feiern? Nein, den doch nicht, feiern wollen wir den Bibelübersetzer und Hochdeutschbringer, den Kämpfer für das Selberlesen und für Heiratendürfen der Gottesleute, den Kämpfer gegen das römische Autoritätsgetue und gegen die Korruption des Glaubens.

          Schön, aber das war doch derselbe, oder? Na ja, dann erwähnen wir bei der Feier eben immer mit, was wir nicht an ihm feiern wollen. Das wirkt bestimmt sehr spontan. Halt, viel besser noch, wir feiern gar nicht ihn, sondern: die Reformation. Gut, aber ihr wisst schon, dass „die Reformation“ wie eine Schulstunde klingt und nicht wie eine Feier? Gott bewahre, eine Schulstunde soll es auf keinen Fall werden, die Leute sollen sich doch freuen. Hab ich „freuen“ gehört, freuen über die Heilsweitentfernung, die Gottunerforschlichmachung, die alle Ungewissheit eurer Seele aufgebürdet hat, und selbst deren Frömmigkeit werde euch nichts nützen, wenn Gott euch nicht will, nur weil er euch einfach nicht will, und das sollt ihr auch noch gerecht finden – wer soll sich denn darüber freuen?

          OK, das finden wir jetzt auch nicht so gut, aber dass der Mensch sich nicht selbst erlösen kann, das war richtig, und die Gewissensfreiheit, die daraus folgte, und die Menschenrechte, die aus ihr folgten, und dann die Demokratie und der Rechtsstaat, die aus ihnen folgten, das kann man doch alles sehr gut feiern. Das sind aber ziemlich viele „folgte“ und weder Luther noch die Reformation wussten von all dem etwas, wäre es da nicht besser, mal ganz ehrlich, ihr würdet irgendetwas Jüngeres als die beiden feiern, euch selbst zum Beispiel?

          Gegenfrage: Wieso meckern Sie eigentlich dauernd über unsere Feier, Sie sind wohl ein Kirchenhistoriker und zurecht übergangen worden im Festkomitee, Feiern sind doch keine Seminare! Mag sein, aber Feste, die auf Schwindeleien beruhen, sind auch keine guten Feste. Na, jetzt wird es aber lustig, Herr Professor, alle Feste beruhen auf Schwindeleien, alles war ganz anders als es gefeiert wird, das müssten Sie doch am besten wissen, fragen Sie mal einen Kollegen von der Volks- und Völkerkunde oder aus der Patristik, der weist es ihnen selbst für Weihnachten nach. Weiß schon, nur kann die Wissenschaft dann eben nicht mitfeiern. Ja dann, Spaßbremsen, dann eben ohne euch, dann feiern wir eben mit dem Papst.

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