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Virtuosen und ihr Publikum : Aura Argerich

  • -Aktualisiert am

Ende Juni kommt die Martha Argerich, die grande dame der Virtuosen, mit ihrer Künstlerfamilie zu neun Konzerten nach Hamburg. Bild: EPA

Es gibt Konzertsäle, in denen zählt vor allem die Menge der Zuschauer. Viele Künstler sehen das anders: Sie suchen Intimität und einen Dialog mit dem Publikum. So wie Martha Argerich in Hamburg.

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          Es gibt, so scheint es, nurmehr eine einzige Instanz, die, ob ästhetisch oder politisch, Anerkennung findet: die Quote. Dank ihrer „Auslastung“, ein Synonym für Quote, ist die Elbphilharmonie der beste Konzertsaal der Welt. Nach wie vor ist sie, gleich mit welchem Programm, ausverkauft. Soeben, nach dem dritten Internationalen Musikfest Hamburg mit 62 Konzerten, freuten sich die Veranstalter über die „massive Steigerung“ (sic!) der Zuschauerzahlen: Mit 78000 Besuchern waren es mehr als doppelt so viele wie in den beiden Vorjahren.

          Nach wie vor aber gibt es Künstler, die – wie der Pianist Grigori Sokolow – den Gang in die Musikarena am Hafen scheuen und in der altehrwürdigen Laeiszhalle das suchen, was sie dort finden: Intimität, Resonanz, die Aura, durch die das Spezifische oder Einmalige eines (musikalischen) Kunstwerks erkennbar wird, dank der Persönlichkeit eines Künstlers im inneren Dialog mit dem Publikum. „Denn das weiß das Publikum nicht und mag es nicht wissen“, schrieb einst der Komponist Ferruccio Busoni, „dass, um ein Kunstwerk zu empfangen, die halbe Arbeit an demselben vom Empfänger selbst verrichtet werden muss.“

          Keine bloße Staffage

          Solch ein Publikum hat Martha Argerich, die pianistische virtuosa in excelsis, gesucht, als sie in Lugano vor fünfzehn Jahren in ihrem Namen einen „Progetto“ ins Leben rief. In diesem „Labor“ traf sie sich mit Weggefährten wie Mischa Maisky oder Gidon Kremer und jungen Talenten zum gemeinsamen Musizieren ohne den Warenkatalog festivalisch verkaufstüchtiger Programme. Welche Gründe es auch immer waren – womöglich die vierhunderttausend Euro, die ein „Sponsor“ nicht mehr aufbringen konnte oder wollte –, in der letzten Woche des Juni kommt die inzwischen 76 Jahre alte grande dame der Virtuosen mit ihrer Künstlerfamilie zu neun Konzerten nach Hamburg – und zwar auch in die Laeiszhalle, wohl dank der Initiative von Daniel Kühnel, des ambitionierten Intendanten des Laeiszhalle Orchesters, dessen Initiative die vormaligen „Hamburger Symphoniker“ auch einen neuen Chefdirigenten mit hoher Reputation verdanken: Sylvain Cambreling.

          Zur Familie von Martha Argerich gehören zwar etliche Großmeister, darunter Daniel Barenboim, ein Freund aus argentinischen Jugendtagen. Mit ihm wird sie vierhändig oder an zwei Klavieren spielen. Dabei sind aber auch die Kinder von Martha Argerich sowohl wie der Sohn von Daniel Barenboim und drei Dutzend weitere junge Musiker. Dass sie nicht, wie allzu oft praktiziert, als bloße Staffage von Stars dienen, die sich in der Rolle von Förderern gefallen, zeigt sich an einer fürwahr demokratischen Entscheidung: Alle, die Stars genauso wie der Nachwuchs, erhalten das gleiche Honorar. Ausnahmslos.

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