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Marode Paläste in Kalkutta : Der Glanz der bösen alten Zeit

  • -Aktualisiert am

Verwunschen: ein Haus an der Darpanarayan-Tagore-Straße in Kalkutta Bild: Foto aus dem Band „Calcutta – Chitpur Road Neighborhoods“, Hatje Cantz 2007

Kalkuttas schwierigstes Erbe sind seine Paläste. Doch nun werden sie endlich mit großem Aufwand restauriert.

          5 Min.

          Kalkutta, das heißt ein unwürdiges Leben in Slums und der erbarmungslose Existenzkampf einer immer größer werdenden Bevölkerung. Man denkt an den breit und langsam strömenden Ganges, an schwüle Hitze und unerträgliche Luftverschmutzung, an quälend stockenden Straßenverkehr. Richtig, das ist Kalkutta – aber das ist nicht alles. Man fragt sich, warum viele Einwohner ihre schwierige Heimatstadt derart leidenschaftlich verteidigen und nirgendwo anders wohnen wollten.

          Gewiss ist ein Grund dafür ihr historisches Ambiente. Obwohl erst rund 380 Jahre alt – für Indien eine quantité négligable -, zieht Kalkutta seinen Ruhm und seine Bedeutung aus der Vergangenheit. Es war die Hauptstadt des großen indischen Kolonialreiches der Engländer, das das heutige Pakistan und Bangladesch mit einschloss. Hier entstand das Machtzentrum der britischen Kolonialherren, hier spielte sich das Gerangel der indischen Elite ab, davon zu profitieren. Die „Babus“ erleichterten den Briten Verwaltung und Kommerz, und je nach Geschick stiegen sie zu oft märchenhaftem Reichtum auf. Sie bauten ihre „Rajbaris“, wörtlich „Königshäuser“ oder „Große Häuser“, deren Innenhöfe Schauplatz von pompösen Festen, zumal religiösen Feiern zu Ehren der Hindu-Gottheiten, von opulenten Hochzeiten und Theateraufführungen wurden. Im Jahr 1911 verlegten die Kolonisatoren die Hauptstadt nach New Delhi; 1947 verließen sie Indien. Die Macht der Babus war gebrochen, ihr Reichtum dahin. Doch ihre fürstlichen Häuser standen und mussten bewohnt und erhalten bleiben.

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