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Marlon Brando : Tragödie eines nicht so lächerlichen Mannes

  • -Aktualisiert am

Sex-Appeal pur: der junge Brando Bild: dpa/dpaweb

Es war schon schwierig genug für Marlon Brando, jung zu sein. Auch im Alter - am 3. April wird er 80 - ist das Leben für Hollywoods letzten Giganten nicht einfacher geworden.

          Im Jahr 1956 kam es in Kyoto zu einem eigentümlichen Gipfeltreffen. Im vierten Stock des Miyako-Hotels traf der Schriftsteller Truman Capote den Schauspieler Marlon Brando, der in Japan mit Joshua Logan "Sayonara" drehte und schon damals ein Weltstar war. Capote behauptete später, er habe sich auf dieses Starporträt eingelassen, um zu beweisen, daß auch aus dieser niederen journalistischen Form literarischer Glanz zu schlagen sei. Im übrigen hielt er sich eine Menge zugute darauf, das lange Interview ohne Tonband geführt und hinterher aus dem Gedächtnis niedergeschrieben zu haben.

          Capote legte also großen Wert darauf, dem Star auf Augenhöhe zu begegnen, von Künstler zu Künstler, um nicht zu sagen, von Genie zu Genie. Ganz nebenbei war Brando damals jenseits aller geschlechtlichen Präferenzen "the sexiest man alive" und auch für die Schwulen jene Ikone, als die ihn Andy Warhol später in der Ledermontur von "The Wild One" darstellte. Es dürfte also für Capote durchaus eine Rolle gespielt haben, den begnadeten Körper aus der Nähe in Augenschein nehmen zu können. Brando wiederum dürfte es gefallen haben, Gegenstand eines literarischen Porträts zu sein, auch wenn er sich das nie hätte anmerken lassen.

          Bulimische Anschaulichkeit

          Von sieben Uhr abends bis zwei in der Früh lümmelten Brando und Capote zwischen Kissen auf Tatami-Teppichen und redeten, das heißt: Capote stellte Fragen, und Brando hielt Monologe. Zum Vorschein kommt dabei ein verwöhntes, gelangweiltes, paranoides, naschsüchtiges, überdrüssiges, selbstgefälliges, dabei gar nicht so unsympathisches und natürlich begnadetes großes Kind, kurz: ein Filmstar, wie er im Buche steht. Wie alle leidet er natürlich daran, als Künstler nicht mehr wahr- und ernst genommen zu werden, und überrascht allenfalls durch die fast bulimische Anschaulichkeit bei der Beschreibung seines Zustands: "Man sitzt auf einem Haufen Zuckerwerk und setzt dicke Schichten - von Kruste an!" Er will sich deshalb in einem eigenen Projekt verwirklichen, das damals noch "Explosion in Zinnober" hieß und 1961 in "One-Eyed Jacks" realisiert wurde, und träumt davon, alles hinzuwerfen, Hollywood hinter sich zu lassen, der Zivilisation zu entsagen. Aber immerhin kennt er sich gut genug, um zu wissen: "Ich kann mich an etwas begeistern, aber es dauert nie länger als sieben Minuten. Genau sieben Minuten. Das ist meine Grenze."

          Die Hollywood-Legende 1972 als Don Corleone in „Der Pate”

          Capotes Text erschien unter dem Titel "The Duke and His Domain" (Der Fürst in seinem Reich) im "New Yorker"; Brandos freimütige Äußerungen stießen in manchen Kreisen auf wenig Gegenliebe, und der Schauspieler verweigerte sich der Presse fortan fast vollständig. Er äußerte sich ungnädig über die unfreundliche Darstellung, und Capote rächte sich mit der einigermaßen selbstgerechten Bemerkung, er halte es für eine recht gute Beschreibung eines verletzten jungen Mannes, "der ein Genie ist, aber nicht ausgesprochen intelligent".

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