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Andreas Rossmann (aro.)

Skulptur „Echo des Poseidon“ : Kunst am öffentlichen Rhein

Der Künstler lacht, der ehemalige Bundeskanzler auch: Markus Lüpertz und Gerhard Schröder vor dem „Echo des Poseidon“. Bild: dpa

Der Künstler Markus Lüpertz hat am Duisburger Rheinhafen eine Skulptur aufgestellt, und nur ein Bundeskanzler war Zeuge. Das war doch früher einmal anders.

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          Früher war hier nichts. Niemandsland. Kein Baum, kein Strauch und auch kein Kaiserdenkmal wie am Deutschen Eck. Nur ein Schild: „780“. So viele Kilometer sind es von der Rheinquelle bis zu der Stelle, wo die Ruhr mündet und zwei Wasserstraßen des größten deutschen Ballungsraums zusammenlaufen. Doch dann kam Lutz Fritsch, der den Ort 1992 markierte. Die Initiative war von den Duisburger Wirtschaftsjunioren ausgegangen, nach dem Fall des Eisernen Vorhangs herrschte Aufbruchstimmung.

          Es war die erste große Arbeit des Kölner Künstlers und die erste Landmarke im Ruhrgebiet, noch vor dem „Tetraeder“ von Jürgen LIT Fischer und der Bramme von Richard Serra. Die abstrakte Skulptur, 25 Meter hoch, sieben Meter breit und einen Meter dünn, war umstritten, die Finanzierung schwierig, das Lehmbruck-Museum begleitete das Projekt, nicht nur der Gestaltungsrat diskutierte es, die Bevölkerung nahm regen Anteil, ganz allmählich wuchs die Zustimmung.

          Eine glühende Stahlbramme?

          Wie „Rheinorange“ auf die Umgebung, in der Industrie und Idylle aufeinanderprallen, Bezug nimmt, auf das Hochhaus am anderen Flussufer, auf die Friedrich-Ebert-Brücke zwischen Ruhrort und Homberg, auf die Hafenlandschaft mit ihren Kränen, Schiffsmasten, Containerlagern, Verlade- und Anlegeplätzen, vermag die heterogenen Elemente des Ortes zu ordnen, seine Kräfte zu bündeln, ihm eine Mitte zu geben. Die Duisburger sahen in der Skulptur eine glühende Stahlbramme, Reverenz an den Stoff, der die „Stadt Montan“ geprägt und reich gemacht hat, die niederländischen Frachtschiffer einen Vorboten – Oranje! – der Heimat, noch hundert Kilometer bis Rotterdam! So konnte „Rheinorange“, ein Homonym, das mit der Farbe Reinorange (RAL 2004) spielt, zum Entree der Stadt und zu einem ihrer Wahrzeichen werden.

          Die Einheimischen meinen, es könne eine glühende Stahlbramme sein: „Rheinorange“, die Skulptur von Lutz Fritsch.
          Die Einheimischen meinen, es könne eine glühende Stahlbramme sein: „Rheinorange“, die Skulptur von Lutz Fritsch. : Bild: Picture-Alliance

          Doch seit dem vergangenen Freitag hat es seine Alleinstellung eingebüßt. Auf der Mercatorinsel, nur etwa fünfhundert Meter weiter, wurde eine Bronzeplastik aufgestellt, die ihm zwar nicht das Wasser reichen kann, aber die Stirn bietet. Auf einem fünf Meter dicken Betonsockel steht der ebenso hohe erdfarbene Kopf eines Mannes, der, das Gesicht vernarbt, der Bart löchrig, rheinaufwärts schaut und, figürlich und imposant, weder mit „Rheinorange“ noch dem Ort in Dialog tritt. Benannt ist die Skulptur am Fluss nach dem Gott des Meeres, „Echo des Poseidon“ betitelt Markus Lüpertz sein neues Werk, das die Duisburger Hafen AG zum dreihundertjährigen Bestehen des größten Binnenhafens der Welt gestiftet hat.

          Kein Gestaltungsrat wurde einbezogen, keine öffentliche Debatte geführt, zur feierlichen Enthüllung, bei der ein von Gasprom gesponserter Bundeskanzler a. D. das „wahrlich wunderbare Kunstwerk“ lobte, blieben die geladenen Gästen unter sich. Was für ein Paradigmenwechsel im Umgang mit Kunst im öffentlichen Raum, was für ein Rückschritt im Selbstbewusstsein des Ruhrgebiets: damals ein Bildhauer, der wie ein Ingenieur auf der Höhe der Zeit arbeitet, heute einer, der mit dem Geniekult des 19. Jahrhunderts kokettiert. Der letzte Blick fällt von der Ruhrorter Hafenpromenade aus, von der Ecke zur Horst-Schimanski-Gasse: Auch aus der Entfernung ist zu sehen, dass der Hinterkopf des Poseidon lädiert, ja gespalten ist. Schade, dass Schimmi seine Dienstmarke abgegeben hat. Oder, wenn er schon in Pension ist, nicht wenigstens noch in Sachen Kunst ermittelt.

          Andreas Rossmann
          Freier Autor im Feuilleton.

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