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Mark Zuckerberg wehrt sich : Unlogisch?

Mark Zuckerberg, hier bei einer Aussage vor dem amerikanischen Kongress im Oktober 2019. Bild: AFP

Facebook-Chef Mark Zuckerberg weist den Vorwurf der Whistleblowerin Frances Haugen, sein Konzern ignoriere Gefahren von Instagram für junge Mädchen, zurück. Seine Argumente sind nicht überzeugend.

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          Folgt man den Ausführungen des Facebook-Chefs Mark Zuckerberg, mit denen er die Vorwürfe der Whistleblowerin Fran­ces Haugen als unwahr zurückweist, bekommt man den Eindruck, er führe keinen milliardenschweren Social-­ Me­dia-Konzern, sondern eine Ge­meinde.

          Glauben wir Zuckerberg, ist Facebook um nichts anderes als das Wohl der Menschheit besorgt, der jungen Menschen insbesondere. Der „tatsächliche Einfluss“, den der Konzern auf die Welt habe, bestehe darin, dass „Menschen in Kontakt mit Freunden und Familie (loved ones)“ blieben, Möglichkeiten schafften, sich gegenseitig zu unterstützen und „Gemeinschaft“ zu finden.

          Frances Haugen sieht das anders

          Dass es Facebook darum gerade nicht gehe, führt die frühere Facebook-Mitarbeiterin Fran­ces Haugen aus (F.A.Z. vom 5. Oktober). Sie hat sich in einem Interview mit dem Sender CBS offenbart und dann vor dem amerikanischen Senat erklärt, dass Facebook zwar zu möglichen negativen Folgen seiner Netzwerke forsche, das Ergebnis der Untersuchungen aber unter den Tisch fallen lasse, insbesondere was die Gefahren von Instagram für junge Mädchen angeht.

          Das weist Mark Zuckerberg als aus dem Zusammenhang gerissen zurück. Die Forschung habe, sagt er, vielmehr gezeigt, dass Instagram Teenagern helfe, ihre Pro­bleme zu bewältigen. Den Nachweis wird Zuckerberg allerdings noch er­bringen müssen, um die Kritiker davon zu überzeugen, dass bei Facebook nichts im Argen liegt. Einstweilen setzt er auf ein nicht eben überzeugendes Argument. Nämlich, dass die Behauptung, der Konzern verhalte sich unmoralisch, „unlogisch“ sei.

          Was die Werbekunden wollen

          Warum habe Facebook denn wohl forschen lassen, wenn nicht, um Gefahren vorzubeugen? Und schließlich seien da die Werbekunden: „Wir verdienen Geld mit Anzeigen, und die Werbekunden sagen uns immer wieder, dass sie ihre Anzeigen nicht neben schädlichen oder wuterregenden In­halten sehen wollen.“ Die Frage ist nur, auf was die Logik der Algorithmen von Facebook eingestellt ist.

          Einen Hinweis des Konzernchefs sollte die amerikanische Politik freilich aufgreifen: Er bittet um Gesetzgebung und Regulierung. Das fordere er seit Jahren, schreibt Zuckerberg. Dieser Bitte sollte die Regierung von Joe Biden umgehend entsprechen.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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