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Mark Kopua im Gespräch : Warum tragen Sie ein Tattoo im Gesicht, Herr Kopua?

Bild: Burkhard Neie/xix

Mark Kopua ist Maori und der berühmteste Tattoo-Künstler Neuseelands. Zum Gespräch über die Symbolik seiner Darstellung und die Tattoo-Mode im Westen reicht er Lamington Cake, die süßeste aller Kiwi-Köstlichkeiten.

          6 Min.

          Hallo, Mark, entschuldigen Sie, dass ich so irritiert bin. Sie tragen ein Tattoo im Gesicht, das fast Ihr gesamtes Gesicht bedeckt. Das ist ein ziemlich starkes Signal, das Sie niemals verstecken können. Was ist das für ein Tattoo, und warum haben Sie es?

          Sandra Kegel

          Verantwortliche Redakteurin für das Feuilleton.

          Ich trage es, weil das Tattoo, das wir Maori in Neuseeland Ta moko nennen, meine Wurzeln und meine Herkunft repräsentiert. Die Ta mokos sind Landkarten unserer Seele, sie zeigen, woher wir kommen. Ich brauche niemandem hier zu erklären, wer ich bin, denn alles steht in meinem Gesicht geschrieben. Das Ta moko erzählt vom Leben meiner Vorfahren. Ich gehöre zum Stamm der Te Aitanga a Hauiti. Aber es erklärt dem Betrachter auch mein Dorf, Uawa im Osten der Nordinsel von Neuseeland, in dem ich geboren wurde und aufgewachsen bin. Außerdem zeigen die Bilder dem Betrachter, welche Rolle ich in unserer Gesellschaft einnehme, wer ich für meine Leute bin.

          Ihr Ta moko kann eine ganze Geschichte erzählen?

          Ja, natürlich. Es erzählt sogar zwei Geschichten. Erstens erzählt es eine Geschichte, die meinen Stamm betrifft, und dann jene zweier spiritueller Beschützer, die aus meiner Familie kommen.

          Was hat das Ta moko bei den Maori ursprünglich für eine Rolle gespielt? Sind das heilige Zeichen oder eher Körperschmuck?

          Nein, die Zeichen sind alle heilige Symbole. Gerade im Gesicht, weil für uns Maori der Kopf der heiligste Teil des menschlichen Körpers ist. Aber die Ta mokos haben eben noch andere Funktionen wie die soziale Zuordnung, dass sie etwas aussagen über die Rolle eines Menschen innerhalb der Familie und des Stammes. Man kann, wenn man die Zeichen versteht, wirklich viel darin lesen. Die Linien sind eine Art Geburtsurkunde, die man ständig mit sich herumträgt.

          Gibt es eine Hierarchie bei den Ta mokos?

          Unbedingt. In der Gesellschaft der Stämme gibt es für jeden Menschen einen bestimmten Platz in der Hierarchie. Und das Ta moko wird diese Stellung in irgendeiner Weise thematisieren.

          Findet denn die Tätowierung im Rahmen einer bestimmten Zeremonie statt?

          Na ja, in den alten Zeiten war das schon so. Aber da war ja das ganze Leben in Rituale eingebunden, es gab Zeremonien für praktisch alle Belange. Beim Tätowieren fing das bei der Ernte der Pilze an, aus denen die Tinte hergestellt wurde, und ging über das Säubern und Präparieren der traditionellen Instrumente wie Meißel, Haizahn und Holzhammer bis zum tatsächlichen Akt des Tätowierens. Der ganze Prozess folgte einer speziellen Zeremonie - und in gewisser Weise ist es bis heute so.

          Sie sind der berühmteste Ta-moko-Künstler in Neuseeland. Wie unterscheiden Sie sich von anderen Tätowierern?

          Das meiste, was ich tue, ist der Arbeit anderer Tätowierer ganz ähnlich. Worin ich mich unterscheide, ist gewiss der Austausch mit der Person, die zu mir kommt mit einer bestimmten Idee im Kopf. Wenn sie mir ihre Geschichte erzählt, und das ist die Voraussetzung für die Tattoos, dass ich ihr Leben kennenlerne, dann kann ich diese Information in den korrekten Symbolen der Maori tätowieren. Darin habe ich sehr viel Erfahrung und tatsächlich mehr Übung als die meisten anderen Ta-moko-Künstler hier, weil ich schon so lange dabei bin. Alles, was ich weiß, gebe ich an die nächste Generation weiter.

          Wie wird man ein maorischer Tattoo-Künstler? Gibt es dafür besondere Schulen?

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