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Mario Vargas Llosa : Auswärtsschlappe

  • -Aktualisiert am

Da ist wohl einiges schiefgelaufen, da wurde wohl manches Humanporzellan zerschlagen. Mario Vargas Llosa, der Literatur-Nobelpreisträger des vergangenen Jahres, steht plötzlich ohne Verlag für die deutsche Ausgabe seines neuen Romans „Der Traum des Kelten“ da.

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          Mario Vargas Llosa ist Schriftsteller, Gentleman und Diplomat. Meistens alles zusammen, je nach Lage auch mal mehr das eine als das andere. Seine Agentin Carmen Balcells ist, wie es ihr Amt verlangt, Strategin, Rechnerin und Leserin des Kleingedruckten. Wie kann es da sein, dass der amtierende Nobelpreisträger just, wo dies geschrieben wird, ohne deutschen Verlag für sein nächstes Buch dasteht?

          Wir erinnern uns: Im Oktober wurde Vargas Llosa während der Frankfurter Buchmesse der Literaturnobelpreis zugesprochen. Dass die gute Nachricht seinen langjährigen Verlag Suhrkamp etwas unvorbereitet traf – man hatte nur vier Taschenbücher des Autors am Stand –, tat der Freude keinen Abbruch, auch wenn die Erklärung, selbstverständlich wolle man das nächste Buch veröffentlichen, doch sei der Vertrag noch nicht unterzeichnet, merkwürdig unsicher klang.

          Im November stellte Vargas Llosa dann seinen neuen Roman „El sueno del celta“ (Der Traum des Kelten) in Madrid vor – und auf der Liste mit ausländischen Verlagen, bei denen das Buch erscheinen werde, stand plötzlich Rowohlt. Von dort war zu hören, man habe nach einer von Carmen Balcells mit Nachdruck betriebenen und vom Autor persönlich bekräftigten Annäherung schon vor der Nobelpreis-Nachricht ein respektvolles, aber nicht übertriebenes Gebot für das Buch abgegeben und auch den Zuschlag erhalten.

          Die Gefühlvoraussetzungen fehlen jetzt

          Suhrkamp hingegen stellte es so dar, als habe man den Autor mit Unsummen geradezu genötigt, den Verlag zu wechseln; als Beleg machte man einen Brief öffentlich, den der Schriftsteller und Gentleman Vargas Llosa der Hausherrin geschrieben hatte, in dem er beteuerte, Ulla Unseld-Berkéwicz sei und bleibe seine Verlegerin; er hoffe, der Ausflug zu Rowohlt sei nur eine „Episode“. Nachdem dieses Zitat, eine Brüskierung für Rowohlt, bekannt wurde, hätten der Diplomat Vargas Llosa und seine Geschäftemacherin Balcells dringend Schadensbegrenzung betreiben müssen.

          Da dies offenbar nicht in überzeugendem Umfang geschehen ist, teilte Rowohlt-Verleger Alexander Fest jetzt mit, dass „Der Traum des Kelten“ nun doch nicht in seinem Verlag erscheinen wird, obwohl die Übersetzung fast abgeschlossen ist. Der gemeinsame Anfang sei verdorben, die „Gefühlsvoraussetzungen für die Zusammenarbeit“ seien nicht mehr gegeben, so Fest. Eine Zusammenarbeit wie diese, die nach seiner Auffassung auf längere Sicht auch die Backlist hätte einschließen müssen, lasse sich nur beginnen, wenn beide Seiten mit Freude darangingen.

          Vargas Llosa hat nun jedenfalls seinen Willen: Ulla Unseld-Berkéwicz wird wohl wirklich seine Verlegerin bleiben und sicherlich wissen wollen, warum er überhaupt mit einem Auswärtsspiel geliebäugelt hat. Im Moment aber steht er ohne Verein da – ungewöhnlich für einen Weltmeister.

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