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Marine Le Pen in Châteauroux : Der ewige Käse

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Der rasierte Schädel

Die Menge schnurrt und wendet sich zufrieden den Ausgängen zu. Marine war bestens drauf, versichert mir Sabrina (ihren wirklichen Vornamen will sie mir nicht nennen), 21 Jahre alt, eine Studentin, die ich wegen ihres etwas nachlässigen Aufzugs unter anderen Umständen eher für eine Anhängerin der Linken als des Front National gehalten hätte. „In Fragen der Sicherheit, der Einwanderung und der Wirtschaft ist sie sehr gut, vor allem im Vergleich zu Sarkozy, der mich enttäuscht hat. Sie ist weniger extremistisch als ihr Vater.“ Sabrina ist zusammen mit zwei Freundinnen gekommen, die Marine nun auch überzeugt hat. Sie werden am 22.April für sie stimmen.

Régis, untersetzt, von Beruf Lehrer, ist gleichfalls für Marine, und das seit langem schon, seit alles nur noch schlechter wird, seit „die Zahl der Einbrüche und die Preise steigen, seit der Personalstand der Gendarmerie zurückgeht, seit ich mehrmals im Jahr mit dem Tode bedroht werde, wenn ich mich um die Sicherheit in der Region kümmere. Die Krise ist ein bequemer Vorwand. Ehrlich gesagt, ich habe die Nase voll.“ Der Lehrer ist 37 Jahre alt, sein Schädel ist rasiert, er trägt einen Kapuzenpullover der Marke Lonsdale, und er ist bereit, mit mir zu sprechen, weil ich ihn nicht filme. Er gehört zum Bloc identitaire, einem rechtsextremen Grüppchen, das gegen die „Islamisierung Europas“ und den Multikulturalismus kämpft.

Sogleich umzingeln und mustern mich seine Kameraden, vor allem ihr Anführer Guewen, Sonnenbrille und schwarzes Polohemd, rasierte Schläfen, der sich in die Brust wirft und mir fast schon rührend anvertraut, dass Marine ihm neuen Mut gegeben habe und Balsam für sein Herz sei. Einer seiner Gefolgsmänner erklärt mir: In Deutschland „habt ihr die Türken, und wir hier haben die Nordafrikaner“. Ich mache mich lieber davon und schwatze mit einer anderen Gruppe, ein paar Bikern, Rockern, die sich um einen blonden Hünen namens Dom scharen, der seit langen schon für den Front National aktiv ist. „Die Schwarzen und die Araber sind nicht einmal mehr das Problem. Heute geht es für jeden von uns ums Überleben, denn es gibt keine Zukunft, es gibt keine Arbeit, und selbst wenn du schuftest, ist am Monatsende kein Geld mehr da. Unsere Zivilisation ist bedroht, unsere Lebensweise ist in Gefahr. Ich verachte Sarkozys Kapitalismus.“

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