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Marine Le Pen in Châteauroux : Der ewige Käse

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Ich folge den Aficionados, die fast auf leisen Sohlen, mit ernsten Gesichtern und konzentriert den Saal betreten. Ein Paar, Mitte sechzig, hat es eilig und möchte meine Fragen nicht beantworten. Eine Gruppe junger Leute, Fähnchen in den Händen und brav dasitzend, lässt sich auf das Spiel ein. Benjamin, Sandra, Maxime und Souhila sind in den Zwanzigern. Sie sind Handwerker oder arbeitslos und von weit her, aus Brive, gekommen, um an der Versammlung teilzunehmen, weil sie enttäuscht waren, dass sie die Veranstaltung vor ein paar Wochen in Toulouse wegen des schlechten Wetters nicht hatten besuchen können.

Das schmeckt: Le Pen mit ihrem Vater Jean-Marie, dem Gründer und Ehrenvorsitzenden des Front National, vor dem Buffet des Parteitags in Lille im Februar
Das schmeckt: Le Pen mit ihrem Vater Jean-Marie, dem Gründer und Ehrenvorsitzenden des Front National, vor dem Buffet des Parteitags in Lille im Februar : Bild: AFP

Marine? Sie bewundern sie, ohne auch nur einen Anflug von Zweifel. „Sie steht für die Republik, für die Würde des französischen Volkes, für Offenheit und Ehrlichkeit. Sie kämpft für das, was wir sind, und für unsere Werte“, erklären sie mir einmütig. Und das heißt? „Für die Achtung vor Frankreich, für den Laizismus, gegen die Preisgabe der Franzosen, gegen die Moscheen und die Halal-Lebensmittel, die man uns ohne unser Wissen aufzwingt“, sagt Benjamin. „Ja“, fährt Maxime fort, „Marine verteidigt die Rechte der Franzosen, die von Europa, dem Euro, der unfairen Konkurrenz der aufstrebenden Staaten missachtet werden. Seit dreißig Jahren lässt die UMPS uns im Stich. Das französische Volk muss wieder eine Stimme erhalten. Es müssen Volksabstimmungen abgehalten werden wie in der Schweiz.“

Sandra und Souhila pflichten bei. Danielle, die einen komplizierten Haarknoten trägt (sie war einmal Friseuse), und Guy, gepflegter Vollbart nach Art eines Geschäftsmanns im Ruhestand, warten ein paar Reihen weiter oben ungeduldig auf den Auftritt ihrer Lieblingspolitikerin. Lange Zeit haben sie mal links, mal rechts gewählt, sie haben gewartet, und weil in ihren Augen nichts geschah, entschieden sie sich Anfang des vergangenen Jahrzehnts schließlich für den Front National. „Frankreich wird überschwemmt von Ausländern, die uns alles aufzwingen wollen und das Wahlrecht verlangen. Das kommt gar nicht in Frage. Ich wähle den FN für meine Enkel, damit sie in einem laizistischen Land leben können, wie sie es verstehen. Die anderen Parteien haben sich kaufen lassen. Die halten uns für Einfaltspinsel. Ich habe es satt, mich ausnehmen zu lassen. Wir sind ganz schön dumm, wir schuften unser Leben lang, und die verteilen unser Geld an die Ausländer. Wissen Sie, was mir am Monatsende zum Leben bleibt, wenn Steuern und Beiträge abgegangen sind? 220 Euro im Monat. Ein Elend! Die Ausländer dagegen haben kostenlose Gesundheitsfürsorge und jede Menge Beihilfen. Wenn ich könnte“, vertraut Danielle mir an, „würde ich für einen noch härteren Kandidaten stimmen als Marine. Aber es gibt ja leider keinen.“

Eine lange Weste und ein eingefrorenes Lächeln

Guy sagt, Marine sei Realistin, und im Unterschied zu anderen Kandidaten habe sie keine Angst, laut auszusprechen, was die Franzosen im Stillen dächten. „Man darf nicht bougnoul (zu einem Araber) oder bamboula (zu einem Schwarzen) sagen, weil alle Angst haben, dass diese Rühr-meinen-Kumpel-nicht-an-Typen einen sonst verklagen. Wenn dagegen ein Weißer zusammengeschlagen wird, gibt es keine Demos, keine Proteste des Pariser Establishments. Wir werden doch verladen. Das ist doch nicht normal. Wir sind hier schließlich zu Hause, aber wir zählen ja nichts, wir müssten doch verdammt noch mal mehr Rechte haben als die Ausländer. Ich bin für die préférence nationale (die Bevorzugung der Inländer)“, ereifert sich Guy. Und was erwartet das Paar von Marine? „Viel und nichts“, antworten beide. „Wir wissen natürlich, dass sie niemals gewählt wird, weil die anderen Parteien sich zusammentun, um das zu verhindern.“

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