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Marcel Lefebvre : Kirche, Kampf und Laizismus

Marcel Lefebvre Bild: AP

Die Aufhebung der Exkommunikation von Erzbischof Marcel Lefebvre hat große Proteste hervorgerufen. Der Gründer der umstrittenen Pius-Brüderschaft bildete seine erztraditionalistischen Ansichten im Kampf gegen den französischen Laizismus.

          Der Erzbischof von Dakar im Senegal, später von Tulle im französischen Departement Corrèze, wurde am 29. November 1905 geboren. Vieles im Leben von Marcel Lefebvre erklärt sich, wenn man den umstrittenen Kirchenführer, den Gründer der Bruderschaft St. Pius X., deren Exkommunikation soeben aufgehoben wurde, als ein Kind seiner Zeit sieht. Denn just im Jahr 1905 hatte sich in der französischen Republik der Laizismus durchgesetzt, und zwar in einer bis dahin unerhört scharfen Form.

          Lorenz Jäger

          Redakteur im Feuilleton.

          Die republikanische Linke, die eine seit langem bestehende Feindschaft gegenüber der Kirche pflegte, hatte sich zwar von der Verehrung der „Göttin Vernunft“ verabschiedet, wie sie die Französische Revolution einführen wollte. Aber zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts wurde die Lage für die Katholiken bedrohlich, und das in einem Land, das bis dato den Ehrennamen der „ältesten Tochter der Kirche“ getragen hatte. 1902 hatte man die kirchlichen Schulen geschlossen, 1903 wurden die Ordensgemeinschaften aufgehoben, 1904 folgte ein Verbot der Neugründung von Orden. Am 9. Dezember 1905 wurde das Gesetz zur Trennung von Staat und Kirche verabschiedet, Kruzifixe waren danach in öffentlichen Gebäuden verboten, und dass der Religionsunterricht an staatlichen Schulen wegfiel, war fast noch der harmloseste Effekt. Das gesamte Kirchenvermögen war nun verstaatlicht.

          Kampf gegen den Laizismus

          Lefebvre wuchs in eine Zeit hinein, in der seine Kirche sich mit einem gewissen Recht als in ihrer Substanz bedroht empfinden konnte. Der Vatikan brach die diplomatischen Beziehungen zur Republik ab. Und manches, was von Deutschland aus gesehen als schiere Verschwörungstheorie erscheinen mag, ist in den romanischen Ländern eine Realität - dazu gehört der Einfluss der von Lefebvre mit besonderer Erbitterung betrachteten Freimaurerei. Diese Gruppierung hatte sich das Laizismus-Gesetz ja selbst als Ruhmesblatt angeheftet; der „Grand Orient de France“ sieht sich noch heute als den eigentlichen Hüter der laizistischen Werte. In der sogenannten „Affaire des fiches“ hatte damals der republikanische Kriegsminister, dem an einer laizistischen Ausrichtung der Armee gelegen war, geheime Dossiers über katholische Offiziere anlegen lassen - und mit dieser Aufgabe ausgerechnet den „Grand Orient“ betraut.

          Alles, was Lefebvres Kampfgeist ausmacht, seinen Einsatz gegen „modernistische“ und laizisierende Gedanken, ergibt sich aus dieser Ausgangslage einer zum Kampf mit der Republik gezwungenen Kirche. Als das Zweite Vatikanische Konzil kam, fand sich Lefebvre deshalb auf der Seite der entschiedenen Traditionalisten.

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