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Manipulation bei Facebook? : Gute Nachricht

  • -Aktualisiert am

Neutraler Nachrichtenkanal? Anonyme Mitarbeiter von Facebook behaupten das Gegenteil Bild: AFP

Facebook-Mitarbeiter behaupten, der Konzern habe konservative Themen bewusst zurückgehalten. In jedem Fall kann der Konzern keinen „neutralen“ Nachrichtenalgorithmus haben.

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          Wer glaubt eigentlich noch, dass die Nachrichtenauswahl bei Facebook „neutral“ wäre und quasi vom Himmel fiele, ohne dass ein Mensch Hand anlegte – also manipulierte? Was im Newsfeed des sozialen Netzwerks aufscheint, folgt einem Algorithmus, und Algorithmen sind keine transhumanen Naturgesetze, sondern von Menschen programmierte Handlungsanweisungen. Die einzige natürliche, neutrale Auswahl wäre die wahllos chronologische. Gegen die aber setzt Facebook (wie inzwischen auch Twitter) auf „Relevanz“. Was relevant ist, bestimmt Facebook mit einem wohlkalkulierten Auswahlverfahren, das zu den bestgehüteten Geheimnissen des Konzerns gehört, von dem mittlerweile jeder dritte Amerikaner seine Nachrichten bezieht.

          Deutlich zu wenige Nachrichten, die den republikanischen Aspiranten auf die Präsidentschaft in den Vereinigten Staaten zugute gekommen wären, sagen nun ehemalige Facebook-Mitarbeiter, die den Glauben an die Neutralität des zur Medienmacht aufgestiegenen Netzwerks offenbar gerade eben erst verloren haben. Der Algorithmus, der bestimme, was unter „Trending Topics“ auftauche, also von Nutzern vermeintlich am meisten beachtete Gegenstände liste, sei manipuliert worden, um Neuigkeiten über die demokratischen Präsidentschaftsanwärter zu begünstigen, sagten die anonymen Informanten dem Blog „Gizmodo“. Das weckt Erinnerungen daran, dass die Angestellten des Konzerns, die Mark Zuckerberg jede Woche online eine Frage stellen dürfen, Anfang März formulierten: „Welche Verantwortung hat Facebook, dabei zu helfen, Präsident Trump 2017 zu verhindern?“

          Facebook hat die Vorwürfe der Ex-Mitarbeiter zurückgewiesen und betont, Manipulationen seien nicht nur verboten, sondern auch technisch kaum möglich. Ein Kontrollteam prüfe die Software-Auswahl nur auf Doppelungen, Fälschungen und schwache Quellenlage. Klingt so, als wären Eingriffe doch nicht so schwierig. Wie das Netzwerk seine Nutzer über den Newsfeed beeinflussen kann, interessiert den Konzern überdies schon lange. 2010 probierte es in Amerika aus, mit welchen Tools es Bürger zum Urnengang bewegen kann, 2013 schraubte es am Nachrichtenstrom, um herauszufinden, ob positive oder negative Emotionen mehr Welle im Netz machen. Nun mag man sagen: Ja, und? Alle Medien wählen aus und gewichten, „neutral“ kann das nie sein. Richtig. Und das ist auch okay, solange klar ist: Hier wird ausgewählt, hier wird ein Angebot gemacht, das nicht so tut, als wäre es das Resultat einer interesselosen maschinellen Kalkulation. Über Facebook muss man nicht mehr wissen, als dass der Konzern natürlich keinen „neutralen“ Nachrichtenalgorithmus hat, ganz gleich, ob er noch manipuliert wird oder nicht.

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

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