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Maigret-Marathon 67 : Maigret in Kur

Bild: Diogenes

75 Maigret-Romane hat Georges Simenon geschrieben. Gerade erscheinen sie in revidierter Übersetzung auf deutsch, chronologisch geordnet, ein Roman pro Woche. Tilman Spreckelsen liest mit und vervollständigt das Porträt eines epochalen Kriminalisten.

          75 Maigret-Romane hat Georges Simenon geschrieben. Jetzt erscheinen sie in revidierter Übersetzung auf deutsch, chronologisch geordnet, ein Roman pro Woche. Tilman Spreckelsen liest mit. (Siehe auch: Warum ich jede Woche einen Maigret-Roman lesen werde)

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.


          Liegt es daran, dass dieser Roman so aus dem Rahmen fällt - der Kommissar ist fern von Paris, in Vichy, und er ist hier als Kurgast, was er unerwartet ernst nimmt -, dass das Buch so frisch wirkt? Zusammen mit dem ebenfalls sehr guten Vorgänger hat man den Eindruck, dass Simenon sein Zwischentief gemeistert hat. Einzig das Dauerbrennerthema Kinderlosigkeit wird hier so früh und so nachdrücklich ins Spiel gebracht, dass es nicht sonderlich schwer fällt, die Lösung zu ahnen - aber wen würde das ernstlich stören?

          Die Handlung in einem Satz: Während eines Kuraufenthalts erfährt Maigret vom Mord an einer flüchtigen Bekannten, und während er sich äußerlich sehr mit dem Einmischen zurückhält, mag er sich schon bald den Sirenenstimmen seiner Kollegen nicht mehr verschließen.

          Spielt in: Vichy

          Neues über Maigret: Er wurde, heißt es hier, „unweit von Moulins geboren, weniger als 50 Kilometer von Vichy entfernt.“ Und mochte schon immer Märkte.

          Und Frau Maigret? Sie hat jetzt ihren Führerschein. Und fährt Renault.

          Konsum geistiger Getränke: Rein gar nichts.

          Viele Fotos, ein Gesicht

          Die Kurstadtatmosphäre beflügelt Simenon ersichtlich, seine Schilderungen funkeln vor Effizienz, und wie er den kompletten Fall genau daraus erwachsen lässt, ist meisterlich. Das Wassertrinken mit seinen festen Regeln, das Flanieren zwischen den Trinkzeiten, die immer gleichen Begegnungen (eine wird dem Mord vorausgehen), das matte Kulturleben mit den Theateraufführungen und Kurkonzerten; dazwischen diejenigen, die gut vom Erholungsbedürfnis der anderen leben, die Badeärzte, die Zimmervermieter - all dies bildet den Keim für den Mord, für den kein Motiv ersichtlich ist und der doch eng damit zusammenhängt, dass das Opfer in seiner Wohnung zwar viele Fotos stehen hat, von denen aber keines einen anderen Menschen zeigt als eben die Bewohnerin. Selten war ein Tatort, den Maigret betreten hat, so gruselig wie dieses anständige, bestens in Schuss gehaltene und wohlaufgeräumte Zimmer.

          Lieblingssatz: „Wieder würde er sich ausziehen müssen und an sich herumdrücken lassen, auf die Waage steigen und dem jungen blonden Arzt zuhören, wie er ernst verkündete, welche Menge Wasser er fortan zu trinken hätte. Ob er ihm andere Quellen verschreiben würde?“

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