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Maigret-Marathon 45 : Die junge Tote

Bild: Diogenes

75 Maigret-Romane hat Georges Simenon geschrieben. Gerade erscheinen sie in revidierter Übersetzung auf deutsch, chronologisch geordnet, ein Roman pro Woche. Tilman Spreckelsen liest mit und vervollständigt das Porträt eines epochalen Kriminalisten.

          75 Maigret-Romane hat Georges Simenon geschrieben. Jetzt erscheinen sie in revidierter Übersetzung auf deutsch, chronologisch geordnet, ein Roman pro Woche. Tilman Spreckelsen liest mit. (Siehe auch: Warum ich jede Woche einen Maigret-Roman lesen werde)

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

          Wie nett, ein Wiedersehen mit dem unglückseligen Inspektor Lognon, der immerhin schon einmal im Titel eines Maigret-Romans zu finden war. Allerdings gibt sich Simenon keine große Mühe, dem Mann neue Seiten abzugewinnen. Er ist wie immer: schnell beleidigt, noch schneller dabei, den anderen unerträglich demütig seine Bemühungen unter die Nase zu reiben, und am allerschnellsten, die neuerliche Demütigung durch die vom Glück begünstigten Kollegen zu antizipieren, die natürlich seinen Ermittlungen wieder einmal zuvorgekommen sind - durch puren Zufall, versteht sich.

          Die Handlung in einem Satz: Die Leiche einer jungen Frau liegt auf der Straße, ihre Identität zu klären, ist mühsam genug, aber das ist gar nichts gegen die Ermittlung des Mörders.

          Spielt in: Paris

          Neues über Maigret: Eigentlich nichts.

          Und Frau Maigret? Hört unfehlbar, wenn ihr Mann nach Hause kommt, selbst wenn sie fest schläft. Sie kauft gern in den Geschäften der Rue du Chemin-Vert ein.

          Konsum geistiger Getränke: Calvados. Cognac. Weißwein. Pernod. Schlehenlikör. Bier.

          Das Schicksal, möglicherweise

          Soll man das nun konstruiert nennen oder weise? Zwei Mädchen aus der Provinz fahren im selben Zug nach Paris, um den Verhältnissen zu Hause zu entfliehen. Die eine endet reich, die andere arm, die eine geht auf Hochzeitsreise, die andere wird ermordet, und am Ende wissen wir eigentlich gar nicht so genau, warum der einen dieses widerfährt und der anderen jenes. Klar ist nur, dass die eine, die jungfräulich ihrem Tod entgegengeht, der Metropole nichts entgegenzusetzen hat als stillen Widerstand. Und das reicht nicht weit, jedenfalls nicht bei solchen Prachtexemplaren von Vermieterinnen, wie sie uns hier exemplarisch vorgeführt werden. Vermieterinnen, die keinen Funken von Privatsphäre dulden, wenn sie junge Mädchen bei sich aufnehmen. Die manisch fragen und tief enttäuscht sind, wenn sie keine Antworten bekommen. Und die es dann später gar nicht so ungewöhnlich zu finden scheinen, wenn die kleinen Schweigerinnen als stumme Leichen enden.

          Lieblingssatz: „'Wahrscheinlich ist sie gar nicht hier ermordet worden', murmelte Lognon finster und tat so, als erfülle er nur seine Pflicht, wenn er dem Kommissar helfe, und als interessiere er sich persönlich überhaupt nicht für den Fall.“

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