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Maigret-Marathon 30 : Maigrets erste Untersuchung

Bild: Diogenes

75 Maigret-Romane hat Georges Simenon geschrieben. Jetzt erscheinen sie in revidierter Übersetzung auf deutsch, chronologisch geordnet, ein Roman pro Woche. Maigret-Novize Tilman Spreckelsen liest mit.

          75 Maigret-Romane hat Georges Simenon geschrieben. Jetzt erscheinen sie in revidierter Übersetzung auf deutsch, chronologisch geordnet, ein Roman pro Woche. Maigret-Novize Tilman Spreckelsen liest mit. (Siehe auch: Warum ich jede Woche einen Maigret-Roman lesen werde)

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

          Tief geht es hier in Maigrets Vergangenheit, und zwar nicht als Erinnerung des reifen Mannes (wie in „Die Affäre Saint-Fiacre“), sondern als einfacher Zeitsprung im Maigret-Kosmos Simenons. Trotzdem hätte dieser Roman natürlich nicht zehn oder fünfzehn Jahre früher geschrieben werden können: allzu deutlich verweist Simenon hier auf Keime, die später zu den bekannten Gewohnheiten, Schrullen oder gar Neurosen des Kommissars, nun ja: aufblühen werden. Darf man da beckmessern? Darauf verweisen, dass Maigret ausweislich dieses Romans zwischen dem 16. April 1886 und dem 15. April 1887 geboren wurde, laut „Der verstorbene Monsieur Galet“ aber zwischen dem 28. Juni 1884 und dem 27. Juni 1885? Muss man es so genau nehmen? Eigentlich schon. Aber gut sieht man dabei nicht aus.

          Die Handlung in einem Satz: Zufällig wird der Querflötist Justin Minard Zeuge, als in einer Villa geschossen und um Hilfe gerufen wird, und weil er davon auf der Polizeiwache berichtet, auf der Maigret beschäftigt ist, wird der in seinen allerersten Fall hineingezogen.

          Spielt in: Paris.

          Neues über Maigret: Naturgemäß sehr viel: Er ist zu Beginn des Romans, am 15. April 1913, eher dünn, 26 Jahre alt und seit 5 Monaten verheiratet. Bei der Polizei ist er seit 4 Jahren. Er lebt mit Madame Maigret schon jetzt in derselben Wohnung, in der er noch 30 Jahre leben wird - allerdings wird das Paar später die Nachbarwohnung dazu mieten.

          Und Frau Maigret? Beweist schon in diesem frühen Stadium ihrer Ehe jene unglaubliche Gelassenheit, die sie auch später auszeichnen wird.

          Konsum geistiger Getränke: Bier. Weißwein (spezifisch aus Vouvray und allgemein von der Loire), Cidre, Calvados, Erdbeerbowle, Champagner, Cognac, Schnaps, Absinth - nur ist Maigret all dies noch nicht so sehr gewohnt.

          Ein Portrait des Kommissars als junger Mann

          Man ahnt es fast vom ersten Moment an, die Ahnung trügt nicht, aber es kommt dann eben nicht ganz so wie erwartet: Natürlich kriegt Maigret Ärger, als er sich in Verbrechen einmischt, die die obersten Tausend gern unter sich ausgemacht hätten - aber wie soll man vor diesem Hintergrund seine Beförderung werten, die diesen Roman beschließt und ihn endlich ins Hauptquartier der Pariser Polizei bringt, wo wir ihn dann die meisten anderen Romane über antreffen? Halten wir fest: Maigret lernt eine Menge in seinem ersten Fall, allem voran das Warten (das ihn hart ankommt), das unmäßige Trinken (das er kaum übersteht), schließlich erfährt er aber auch zum ersten mal jenen ungeheuren Moment der Inspiration, für den er in späteren Jahren unter seinen Kollegen so berühmt werden wird. Ferner: Dieses Buch bezieht seinen Reiz aus dem Portrait des Kommissars als junger Mann, so weit, so erwartbar. Dass es aber auch für sich genommen (und bis in die Nebenfiguren hinein) so wohltuend widerborstig ist, schon das zeigt, was Simenon vermag. Und auch, warum einem der Gedanke, dass da noch 45 Romane nachkommen, nicht den Hauch einer Ahnung von Langeweile einbringt.

          Lieblingssatz: „Der Wirt hob eine Flasche Calvados hoch, und Maigret nickte.“

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