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Magdeburg lädt aus : Verzagt

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Kubitschek bei einer Pegida-Demonstration in Dresden. Bild: dpa

Es gibt gute Argumente für Demokratie und Grundrechte. Mit denen sollte man einem neurechten Volksideologen wie Götz Kubitschek doch beikommen können.

          Wer hat Angst vorm bösen Wolf? Niemand. Und wenn er kommt? Dann laufen wir. Der Kindervers kommt einem in den Sinn, wenn man nach Magdeburg schaut. Das dortige Theater hatte vor, den Innenminister von Sachsen-Anhalt und eine ehemalige Theaterintendantin auf offener Bühne mit Götz Kubitschek diskutieren zu lassen. Kubitschek ist ein rechter Verleger, Publizist und Netzwerker. Er bringt Schriften heraus, die einen national entschiedenen Eindruck machen möchten, argumentiert im Horizont von Extremen der Weimarer Republik und nährt sich intellektuell von der Lektüre Carl Schmitts, also mit einem erheblichen Sinn für das politische Antiquariat.

          1968 gab es auf der Linken zuhauf solche meinungsstarken, belesenen Leute mit abenteuerlichen Gesellschaftsbildern und wenig Hemmungen. Allerdings waren die meistens jung. Kubitschek ist Mitte vierzig, als Krawallinstrument seiner Flegeljahre wird man die völkische Trompete, in die er gern bei Pegida-Aufmärschen stößt, nicht mehr bezeichnen können. Frage also: Darf man mit so jemandem über den „Rechtsruck“ in Deutschland und anderswo diskutieren, darf es ein Minister und darf ein Theater dazu einladen?

          Mischmasch aus Volk, Kyffhäuser-Getue und Ideen von 1914

          Ein Tabubruch wäre das, hieß es. Man werte die Rechten auf. Mit Antidemokraten, die „den freien Diskurs“ überwinden wollten, lasse sich nicht diskutieren. Wer wie Innenminister Stahlknecht (CDU) dagegenhalte, politische Korrektheit, die zu unfreiem Verhalten führe, schade dem politischen System, sei naiv. Denn die Rechten würden solch einen Auftritt als Coup feiern. Als was aber werden sie wohl die Absage des Ministers und des Theaters feiern, die gerade erfolgten? Und Ihr selbst, werdet Ihr das Zurückpfeifen des Ministers durch seinen Ministerpräsidenten als Beweis für das Selbstbewusstsein der Demokraten feiern? Als Sieg des freien Diskurses?

          Der SPD-Landeschef von Sachsen-Anhalt brachte die Formulierung zustande, wer glaube, man könne „solche Leute wie Kubitschek“ in einer öffentlichen Diskussion „stellen“, sei ihnen schon auf den Leim gegangen. Ist es so armselig um die intellektuelle Kraft und die rhetorische Begabung der Verteidiger des liberalen Rechtsstaates bestellt, dass sie nicht mehr glauben, gegen den neurechten Mischmasch aus Volk, Kyffhäuser-Getue, Ideen von 1914, Etatismus und Feier des faschistischen Stils in einer Diskussion bestehen zu können?

          Wer so verzagt ist, scheint vergessen zu haben, dass die repräsentative Demokratie, die Grundrechte und der kulturelle Pluralismus nicht auf Wertbekenntnisse angewiesen sind, sondern über Argumente zu ihren Gunsten verfügen. Man muss sich nur vorbereiten, auch mal was lesen, nachdenken, empirisch belastbar reden. Und sich mit dem Unfug der Antiquariate befassen. So viel Mühe kann man verlangen. Man gewinnt den Eindruck, viele hätten es gern leichter.

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