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Männerbilder in der Krise : Stellt euch, ihr Memmen!

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Den Job retten, und koste es auch die hübsche Rhetorik des stahlharten Managers: Hartmut Mehdorn, immer noch Chef der Deutschen Bahn Bild: ddp

Hoch tönten die Reden über die männlichen Tugenden der Manager, über Durchsetzungskraft, Mut und Leistungsbereitschaft. Doch kaum ist die Krise da, fehlt von ihnen jede Spur. Warum es ein anderes männliches Selbstverständnis braucht.

          Während alle Welt rätselt, was die Finanzkrise noch bringt, ist das größte Geheimnis schon gelüftet: Viele Manager sind nicht nur Versager, sie sind Schlappschwänze. Und weit davon entfernt, so viril zu sein, wie sie sich gerne präsentieren. Damit haben sie nicht nur Banken und Aktiendepots ruiniert, sondern auch noch ihre Geschlechtsgenossen desavouiert. Wer nun meint, die miese Performance der Jungs möge für die Wirtschaft relevant sein, nicht aber für uns Männer, der übersieht, dass die Geschäftswelt männlich dominiert ist; ihre Hauptdarsteller sind role models, und ihr Schicksal ist relevant für das Selbstverständnis aller Männer.

          Es war der 13. Februar 2008, als sich das Schicksal der Manager zu wenden begann. Damals erschien einer jener Artikel, in denen Konzernchefs gerne schreiben, Führungskräfte seien "Vorbilder" und ihr Führungsstil der "wahre Schlüssel zum Erfolg". Die Leitlinien des idealen Führungsstils entwickelte der Autor, wenig überraschend, entlang klassischer Männertugenden wie Durchsetzungsfähigkeit, Mut und Leistungsbereitschaft. Das gelte besonders in Krisenzeiten. Zum vielbeachteten Dokument männlicher Hybris wurde der Text erst, als exakt einen Tag nach dessen Erscheinen das Privathaus und das Büro des Autors durchsucht wurden - und zwar wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung von mehr als einer Million Euro.

          Rausreden als Prinzip

          Heute ist Klaus Zumwinkel, der Autor des Artikels, ein rechtskräftig verurteilter Straftäter. Anstatt aber am Ende seiner vorbildlich in die Luft gejagten Karriere wenigstens einen mannhaften Abgang hinzulegen, jammerte er nach der Verkündung des Urteils, als Promi werde man anders behandelt als ein Normaler; deshalb habe auch sein Vertrauen in den Rechtsstaat gelitten. Was für eine wehleidige Memme! Nutzt den Promi-Status, solange er etwas davon hat, und beklagt sich, kaum lernt er dessen Kehrseite kennen. Sollte Herr Zumwinkel Trost brauchen, so kann der nur darin bestehen, dass er sich in der Gesellschaft vieler anderer von Seinesgleichen befindet.

          Zum Beispiel in jener der Vorstandsvorsitzenden der drei großen US-Autokonzerne. Rick Wagoner, Chef von General Motors, ist einer von ihnen: Erst lässt er sich mit dem Firmenjet nach Washington fliegen, um beim Kongress einige Milliarden Dollar Finanzhilfe zu erbitten; als die Abgeordneten angesichts dieser Frechheit den Mund nicht mehr zubekommen, macht sich Wagoner ganz klein, quetscht sich beim nächsten Washington-Termin ins Auto, steuert selbst rund 850 Kilometer, verdrückt unterwegs ein von der PR-Abteilung organisiertes labbriges Sandwich, um sich schließlich auf die Leute von der Wall Street rauszureden, die an der Krise schuld seien. Was aus dem Herrn geworden ist? Aktuell bastelt er an Rettungsplänen für GM.

          Mehdorn und Märklin

          Der Chef der deutschen Bahn wiederum, Hartmut Mehdorn, gibt seit langem den stahlkinnigen Manager, dem kein Konflikt zu scharf sein kann. Doch was macht er jetzt, da es darauf ankäme, die Sache mit den ausspionierten Mitarbeitern zu managen? Übernimmt er da Verantwortung? Im Gegenteil! Er windet sich und behauptet, er habe von alledem nichts gewusst. Einziger Zweck seiner Performance: seinen Job zu retten, koste es, was es wolle.

          Und schließlich wären da noch die miesen Typen von der Londoner Beteiligungsgesellschaft Kingsbridge: Kaufen die Lieblingsfirma einer anderen Sorte von Mann, nämlich Märklin, gehen hin, veranlassen Märklin, mit Leuten der eigenen Beteiligungsgesellschaft sinnlose Beraterverträge in der Höhe der Märklin-Jahresverluste abzuschließen, treiben das Ex-Familienunternehmen in den Konkurs, um schließlich zu versuchen, jene Firmenteile, die sie vorsätzlich schuldenfrei gehalten haben, aus der Konkursmassen zu kaufen.

          Memmen also, wohin wir schauen. Unfähige, heimtückische und verantwortungslose Männer, deren PR-Abteilungen eben die Angebote geschäftstüchtiger Beratungsagenturen sichten, wie man die "Corporate Reputation" wieder aufmöbeln könnte, also das angeblich von Journalisten ruinierte Ansehen dieser Typen und ihrer Unternehmen. Wir wüssten Rat; er kostet exakt den Gegenwert dieser Zeitungsausgabe: Stellen Sie sich hin wie ein echter Kerl und sagen Sie: "Ich übernehme meinen Teil der Verantwortung dafür, dass unsere Wirtschaft baden geht - immerhin habe ich dafür viele Jahre lang sehr gut verdient!"

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