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Mädchenbeschneidung : Verleugnete Aufklärer

  • -Aktualisiert am

Ein Land, in dem Verstümmelung zum Alltag gehört: Ägyptische Frauen protestieren auf dem Tahrir-Platz Bild: dpa

Islam und Mädchenbeschneidung gehören zusammen? Die Legende, es gebe keine Verurteilung des Brauchs durch muslimische Autoritäten, lebt - aber sie wird durch permanente Wiederholung nicht wahrer.

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          In Deutschland hat die sogenannte Islam-Debatte schon vor einiger Zeit den Stand erreicht, der sich in Anlehnung an ein Wort Hans Magnus Enzensbergers beschreiben lässt: Was immer man zur Malaise noch sagen mag, kann sie nur größer machen. So soll es hier bei einem Aspekt bleiben, der an und für sich mitnichten als ein Detail zu betrachten wäre, andererseits jedoch mit dem Islam eigentlich nichts zu tun zu haben brauchte: nämlich die Mädchenbeschneidung, wissenschaftlich „female genital mutilation“ oder deutsch Verstümmelung weiblicher Geschlechtsteile genannt.

          Fraglos handelt sich um eine vorislamische Tradition. Der aggressivste Eingriff ist die Infibulation, bei der mit dem Ziel der Verhinderung von Koitus und Masturbation die Klitoris sowie die kleine und große Schamlippe entfernt werden, wonach die Wundränder so vernäht werden, dass zum Abfluss des Menstruationsbluts nur eine kleine Öffnung bleibt. Die Infibulation wird auch pharaonische Beschneidung genannt. Praktiziert wird sie bis heute vor allem in Somalia und Dschibuti, aber auch immer noch in Teilen Sudans und in Ägypten. Auf einer Tempelwand in Luxor ist die Seereise der Pharaonin Hatschepsut zu verfolgen, die Puntland besucht, die Nordostecke des heutigen Somalia.

          Ganze Männer, ganze Frauen?

          Aus dem pharaonischen Ägypten ist uns überliefert, dass Männer erst ihres weiblichen Geschlechtsteils - nämlich der Vorhaut - ledig zu ganzen Männern werden und erst Frauen ohne Klitoris zu ganzen Frauen. Weniger massiv eingreifende Formen der Mädchenbeschneidung mit partieller oder vollständiger Kliteridektomie - Beschneidung oder Exzision der Klitoris - werden noch immer in weiten Teilen Afrikas, auf der Srabischen Halbinsel und im Indischen Ozean praktiziert, bis nach Indonesien.

          Aber es geht hier nicht um einen historischen Abriss über das Brauchtum und seine Verbreitung. Zur Vergangenheit ist nur anzumerken, dass die Materie unter Schriftgelehrten und Priesterschaften kontrovers war, in der islamischen Welt wie anderswo. Vom Propheten Mohammed gibt es einen umstrittenen Hadith, eine mündliche Überlieferung, der zufolge er eine Beschneiderin zur Mäßigung anhält. Und heute? Mohammed Sayyid al Tantawi, der letztes Jahr verstorbene Großscheich der Kairoer Azhar-Universität, der höchsten Autorität im sunnitischen Islam, ist in seinen letzten zehn Amtsjahren nicht müde geworden, seine ägyptische Nation darüber aufzuklären, dass seine Töchter nicht beschnitten seien.

          Ein mit dem Islam unverträglicher Brauch

          Laut einer Studie von Unicef sind 96 Prozent der verheirateten Frauen Ägyptens zwischen 15 und 49 Jahren beschnitten oder genitalverstümmelt, so dass sich schwerlich behaupten lässt, der Großscheich, vormals Mufti und Ägyptens höchster religiöser Richter, vertrete in dieser Angelegenheit eine konservative Linie oder auch nur den Mainstream. Ganz im Gegenteil. Ansonsten erklärte er gerne, der Brauch falle nicht in seine Zuständigkeit, da er keine Basis in der Religion habe. Dasselbe sagte Tantawi zur Ganzkörperverschleierung, und er billigte ausdrücklich das französische Kopftuchverbot.

          2006 sprach sich das führende Gremium der Azhar unzweideutig gegen die Mädchenbeschneidung aus und verurteilte diese. 2009 hat aus Doha, Qatar, der radikalislamische sunnitische Lebensratgeber Yusuf al Qaradawi namens seines der Muslimbruderschaft nahestehenden Fatwa-Rates mit einem Erlass nachgedoppelt, der die Verstümmelung weiblicher Genitalien ebenfalls als mit dem Islam unverträglichen Brauch untersagt.

          Die Posaune von CNN

          Darüber haben auch deutsche und andere westliche Medien seinerzeit berichtet. Aber es hilft nichts. Die Legende, es gebe keine Verurteilung des Brauchs durch muslimische Autoritäten, lebt. Matthias Matussek nennt es makaber, einer „Frau wie Ayaan Hirsi Ali mit ihrer Leidensgeschichte die leidenschaftliche Absage an jene Religion vorzuwerfen, die sie verkrüppelt hat“ - als hätte jemals jemand das getan. Aber auch CNN, durch den Mund der sich ganz als Aufklärerin gebenden Christiane Amanpour, posaunte noch unlängst in die Welt hinaus: „die islamische Tradition der Verstümmelung weiblicher Genitalien! . . . - die islamische Tradition der Verstümmelung weiblicher Genitalien! . . . - die islamische Tradition der Verstümmelung weiblicher Genitalien!“ Und was ist da zu machen?

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