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Loveparade : Die Loveparade ist eine Party, keine Demo

  • -Aktualisiert am

25 Trucks, 400.000 Raver in Wien: noch ziemlich klein, aber schon eine richtige Loveparade Bild: dpa

Die Loveparade ist genau so wenig eine politische Bewegung wie die Londoner „Underground“ in dem Film „Ein Fisch namens Wanda“.

          2 Min.

          Die Loveparade ist ein riesiges Volksfest, ein Massenspektakel, bei dem es um „Spaß für Alle“ geht. Auch wenn sich ihre Veranstalter lange und heftig dagegen gewehrt haben, den Techno-Umzug als kommerzielle Veranstaltung zu behandeln: Schon früh haben sie die Vermarktung ihres Idee sorgfältig abgesichert.

          Einschluss statt Ausschluss

          Bereits 1991 ließ Loveparade-Erfinder Matthias Roeingh alias Dr. Motte das Label „Loveparade“ markenrechtlich schützen. 1996 wurde der Verein Loveparade, der die Party organisierte, in eine gewinnorientierte GmbH umgewandelt. Außerdem, und das ist neben den ökonomischen Fakten der entscheidende Punkt, ist nicht nur das Projekt Loveparade, sondern die gesamte Techno-Bewegung seit jeher als Massenveranstaltung angelegt.

          Bild: Loveparade.Net

          „Das Falscheste ist es, jemanden ausschließen zu wollen ... Arroganz und Borniertheit sind dumm“, schrieb Jürgen Laarmann, Loveparade-Aktivist und ehemaliger Herausgeber des Techno-Magazins „Frontpage“ 1994 in seinem Manifest „The Raving Society“. Und in einem Artikel, der 1997 im Zeit-Magazin erschien, sah Rainald Goetz, Schriftsteller und Autor des Romans „Rave“, in der Loveparade „diesen einen wunderbaren Sinn, nichts und niemanden auszuschließen, außer eines, den Ausschluss.“

          Meinungskundgebung oder Volksfest

          Alle dürfen und sollen mittanzen, was denn auch längst geschieht: Alte und Junge, Drogenschlucker und Polizisten, Fußballfans und eben auch Geschäftemacher - die Loveparade ist ein bombastisches Get Together unterschiedlichster gesellschaftlicher Schichten geworden.

          Aber kann eine Veranstaltung, die keine Gegner hat, eine politische Demonstration sein? Wesentlich dafür, darauf hat das Berliner Verwaltungsgericht in seiner Entscheidung zur Loveparade nochmals hingewiesen, ist das „Element der Meinungskundgebung“. In der Demokratie richtet sich jede Meinung aber immer auch gegen andere Meinungen - das ist in einer pluralen Gesellschaft Prinzip.

          Genau das aber will die Loveparade nicht: Rainald Goetz bezeichnet die Loveparade als „Kirche der Ununterschiedlichkeit“, in der man „selig im Einen eines Gemeinsamen“ verschwinde. Folgt man diesen pathetischen Worten, dann ist die Loveparade vielleicht eine spirituelle Veranstaltung - aber mit Sicherheit keine politische Demonstration im Sinne des Rechts. Die Berliner Richter haben völlig recht: Was soll das bitte für eine Demonstration sein, deren einzige Aussage ist, dass alle mitdemonstrieren sollen - deren tautologische Botschaft es also ist, dass sie stattfindet? Das ist keine Demonstration, sondern eine „kommerzielle Veranstaltung“. Man kann auch Volksfest dazu sagen.

          Raven ohne Grenzen

          „Es gibt uns, und wir sind groß!“ - der Inhalt der Loveparade ist ihre eigene Grenzenlosigkeit. „One World, One Loveparade“ lautet eines der vielen Motti der Loveparade. Folgerichtig hat sich die Loveparade schon längst globalisiert, auf andere Länder ausgedehnt. Parallel zu den vielen unabhängig entstandenen Ablegern wie der beliebten Zürcher „Streetparade“ oder der Pariser „Techno Parade“ versucht der Veranstalter Planetcom, die originale Loveparade mit originalem Loveparade-Logo zu exportieren: So fanden richtige Loveparaden bereits in Wien, England, Buenos Aires, Kapstadt und Tel Aviv statt.

          „Möchtegern-Raver oder echtes Partytier?“

          Der Planetcom GmbH ihre Umwandlung in ein globales Event-Unternehmen vorzuwerfen, wäre albern - würden die Loveparade-Macher bloß nicht auf ihrem „politischen“ Anspruch beharren.

          Unabhängig davon sollten sich die Veranstalter vielleicht doch Gedanken darüber machen, ob sie wirklich die ganze Welt, Alle und Jeden bei der Loveparade dabei haben wollen und jeder, der genügend Kleingeld zur Verfügung hat, einen Wagen mieten darf. In der Szene macht sich nämlich schon ein leichtes Unbehagen ob des Volksfestcharakters breit: In der aktuellen Ausgabe der Techno-Zeitschrift „Raveline“ kann man im Selbsttest herausfinden, ob man ein „echtes Partytier“ oder nur ein „Möchtegern-Raver“ ist. Gegen die drohende Beliebigkeit werden hinterrücks also schon Grenzen gezogen.

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