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Louis Begley : Jack Nicholson könnte selbst eine saure Gurke spielen

  • Aktualisiert am

Versteinertes Gesicht: Jack Nicholson als Schmidt Bild: AP

Der Film „About Schmidt“ basiert auf einem Roman von Louis Begley. Ein Gespräch mit dem Autor über Jack Nicholson, über das Fehlen sexuell aufgeladener Szenen und über sein neues Buch.

          4 Min.

          Der Film „About Schmidt“ basiert auf einem Roman von Louis Begley. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung sprach mit dem Autor über den Hauptdarsteller Jack Nicholson, über das Fehlen sexuell aufgeladener Szenen im Film und über sein neues Buch.

          Was ist Ihnen durch den Kopf gegangen, als Sie den Film "About Schmidt" zum erstenmal gesehen haben?

          Ich muß Ihnen leider sagen, daß ich eine solch jungfräuliche Erfahrung gar nicht machen konnte. Denn einer der Produzenten hatte mir das Drehbuch geschickt,. Einiges, woran ich mich noch gut erinnerte, kam darin nicht mehr vor. Ich war also gewarnt und darauf vorbereitet, daß der Anwalt Albert Schmidt aus dem feinen Bridgehampton auf Long Island sich in den Versicherungsfachmann Warren Schmidt aus Omaha verwandeln würde.

          Schmidts Schöpfer: Louis Begley

          Wie haben Sie auf die Veränderungen reagiert?

          Nachdem ich das Drehbuch gelesen hatte, fragte ich den Produzenten: Wie können Sie denn um Himmels willen einen Hollywoodfilm mit einem Superstar wie Jack Nicholson drehen und keinen Sex miteinplanen? Ich dachte, es sei eine Grundregel, daß es in einer solchen Produktion romantische, sexuell aufgeladene Szenen geben müsse. Ihr Fehlen hat mich darum ungeheuerlich in Erstaunen versetzt.

          Zumal ja auch der Titelheld Ihres Buches nicht gerade enthaltsam lebt.

          Natürlich nicht, und das ist für meine Geschichte auch sehr wichtig. Der Geschlechtstrieb meines Schmidtie, ich fühle mich sogar verleitet zu sagen: sein rebellischer Geschlechtstrieb, ist der Schlüssel zum Verständnis seiner Vergangenheit. Im Gegensatz dazu hat mich der Umzug Schmidts von Bridgehampton nach Omaha, Nebraska, nicht weiter berührt. Ich hatte Alexander Payne, den Regisseur, und Jim Taylor, seinen Drehbuchautor, kennengelernt und ihre Filme "Election" und "Citizen Ruth" gesehen, und danach war mir klar, daß Bridgehampton nicht ihr natürliches Milieu war. Was ja wirklich nicht von Nachteil ist, denn ihr eigenes Ambiente kennen sie um so besser. Gott allein weiß, auf welche Irrwege sie geraten wären, wenn sie statt dessen versucht hätten, mein Milieu zu schildern.

          Haben Sie nicht bedauert, wieviel der Film von ihrer Geschichte ausließ?

          Vieles hätte gar nicht in den neuen Rahmen gepaßt. Denken Sie etwa an Schmidts antisemitische Neigungen. Sie werfen ein Schlaglicht auf Leute von Schmidts Alter, Herkunft und Erziehung. Ein zurückgenommener, abgemilderter, aber doch heimtückischer Antisemitismus gehört einfach zum Porträt eines solchen "Wasp" und seiner sozialen Klasse. In Omaha dagegen, wohin sich, wer weiß, noch nie ein Jude getraut hat, stellt sich das Problem des Antisemitismus sicher ganz anders.

          Schwerer wiegt, daß die junge Kellnerin, in die Schmidt sich verliebt, nicht vorkommt.

          Der Auftritt einer jungen Frau bietet in meinem Roman nicht nur die Gelegenheit, heißen Sex zu beschreiben. Durch sie fand Schmidt einen Weg zur Heilung vom Gefühl des Verlustes seiner Frau und von Wunden, selbst zugefügten oder nicht, aus der problembeladenen Beziehung zu seiner Tochter. Für mich war das ein sehr wichtiger Aspekt im Porträt von Schmidt. Alexander Payne und Jim Taylor haben so etwas Ähnliches wohl angepeilt, als sie den kleinen Jungen Ndugu erfanden, und das ist völlig in Ordnung, auch wenn mir das niemals eingefallen wäre.

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