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Peter Lustig gestorben : Sein Bauwagen war unser Sehnsuchtsort

Sinn für Humor hatte er wie kein Zweiter: der Fernsehmoderator Peter Lustig, aufgenommen im April 2010 in Hamburg. Bild: dpa

Für viele gehörte seine Sendung zur Kindheit, wie die Biene Maja oder die Sendung mit der Maus, doch einer wie er wird nicht mehr kommen: Zum Tod des Fernsehmoderators Peter Lustig.

          Man ist nun versucht zu sagen: Der Mann hat, auch in diesem Punkt, recht gehabt. „Abschalten“, das legte Peter Lustig am Ende der von ihm moderierten Kindersendungen „Pusteblume“ und „Löwenzahn“ seinem jungen Publikum nahe: „Jetzt kommt eh nichts mehr.“ Und wenn man sich vieles von dem anschaut, womit heute nicht nur die kommerziellen Kinderkanäle ihre unermessliche Sendezeit füllen, dann drängt sich tatsächlich der Eindruck auf, dass seit 2005, dem Jahr, in dem sich Peter Lustig vom Bildschirm verabschiedete, nicht mehr viel gekommen ist, jedenfalls nichts Besseres.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das freilich wäre ungerecht gegenüber Sendungen wie jener mit der Maus und nicht zuletzt dem unverwüstlichen „Löwenzahn“, wo man mit Lustigs Nachfolger Guido Hammesfahr alias Fritz Fuchs weiterhin sehr Ordentliches leistet. Von daher sei das kulturpessimistische Fazit leicht abgewandelt: Einer wie er, einer wie Peter Lustig, wird nicht mehr kommen. Das lässt sich mit großer Gewissheit sagen.

          An diesem Peter Lustig nämlich war alles echt: seine Neugierde, seine Bastelfreude, die Erfindungen gebar wie die Staubsauger-Orgel oder die Orangen-Keks-Sonnenuhr, der schwarze Walrossbart, der sich im Laufe der Jahre zum gestutzten weißen Vollbart wandelte, und sogar, was viele nicht glauben wollten, sein Name. Die Nickelbrille trug Lustig auch privat, und die blaue, heimwerkerfreundliche Latzhose hing ebenfalls schon in seinem Schrank, bevor er Fernsehstar wurde.

          Und genau das wäre mittlerweile nicht mehr möglich: Nie im Leben würden die Caster und Marktforscher heute einen mittelalten Mann mit Nickelbrille, Walrossbart und Latzhose auf die begehrte junge Zielgruppe loslassen; einen Mann, der sich weigerte, seine Glatze mit einer Perücke zu kaschieren, und auch gar keine Moderatorenausbildung hatte – Peter Lustig war Rundfunktechniker und hatte beim Fernsehen zunächst als Toningenieur angefangen.

          Der Ton stimmte stets bei Peter Lustig. Unaufgeregt und nie gekünstelt oder anbiedernd klang er, wenn er sich selbst und den Zuschauern die Welt erklärte, erst in Einspielfilmen bei der „Sendung mit der Maus“, von 1979 an dann mit seiner eigenen ZDF-Sendung „Pusteblume“, die ein Jahr darauf in „Löwenzahn“ umgetauft wurde. Bis zu vierzig Prozent der Zuschauer zwischen drei und dreizehn Jahren waren damals dabei. Als unlängst David Bowie starb, bekannten erstaunlich viele Mitmenschen, wie stark der Künstler sie geprägt habe, obwohl man getrost bezweifeln darf, dass alle tatsächlich Bowie-Poster in ihren Jugendzimmern hängen hatten. Wer als Kind in den Achtzigern daheim ein Fernsehgerät hatte, der wurde jedenfalls mit hoher Wahrscheinlichkeit von Peter Lustig geprägt.

          Ein Bauwagen, die obligatorische Latzhose und verrückte Experimente: Peter Lustig in der Sendung „Löwenzahn.“ Bilderstrecke

          Für mehrere Generationen wurde der zum Wohnwagen umfunktionierte „Löwenzahn“-Bauwagen mit Holzstuhltreppe und Dachterrasse zu einem Sehnsuchtsort der Fernsehlandschaft, der schon in Grundschülern Aussteigerphantasien weckte. Unbehelligt von den Bürden der Erwachsenenwelt wie Bürokratie oder Erwerbsarbeit frönte Lustig in dieser mobilen Villa Kunterbunt seinen zahllosen Interessen und ließ sich gern ein Glas Rotwein schmecken – was heute in den Gremien der Fernsehanstalten ein mittleres Erdbeben auslösen würde.

          Der Wein war ein Indiz dafür, dass Lustig ein Genussmensch war – und viel schwerer einzuordnen, als es seine Öko-Opa-Fassade erwarten ließ. Müsli mochte er nicht, Kinder konnten ihm – in gewissen Momenten – auch mal auf die Nerven fallen, und eine Zeitlang war der Mann, der die Welt so pragmatisch auseinander- und wieder zusammenbastelte, Anhänger des fragwürdigen Gurus Bhagwan. Das große Vorbild des 1937 in Breslau geborenen Flüchtlingskindes Lustig war jedoch der eigene Großvater, von dem er wohl auch das Erzähltalent geerbt hatte.

          Am Dienstag ist Peter Fritz Willi Lustig, Träger zweier Grimme-Preise und des Bundesverdienstkreuzes, im Alter von 78 Jahren in der Nähe von Husum gestorben – und es ist ein Trost, dass er im Ruhestand das wunderbare „Löwenzahn“-Leben, bei dem wir ihm so viele Jahre zusehen durften, offenbar fortsetzen konnte. Von einem Reporter einmal danach befragt, was er den ganzen Tag so mache, antwortete Lustig, er bastele Unsinnsmaschinen.

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