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Britisch-konservatives Debakel : Ohne jeden moralischen Kompass

Die britische Premierministerin Liz Truss am 14. Oktober 2022 bei einer Pressekonferenz Bild: EPA

Selbst ihr König kann nur noch seufzen: Liz Truss gilt als britische Premierministerin auf Abruf, weil sie mit den Werten ihrer konservativen Partei bricht.

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          Von dem liberalen Denker John Stuart Mill stammt der viel zitierte Begriff von den Konservativen als „dümmste Partei“. Die jüngsten Turbulenzen der britischen Politik scheinen ihn zu bestätigen. Mills Hieb war jedoch nicht nur als Beleidigung gemeint. Der viktorianische Verfassungstheoretiker Walter Bagehot argumentierte sogar, dass Dummheit in politischem Zusammenhang eher eine Tugend als ein Laster sei, schließlich verdankten die Konservativen ihren Erfolg der Ablehnung ideologischer Grundsätze zugunsten des gesunden Menschenverstands. Bagehots Haltung lag die Überzeugung zugrunde, dass nichts Gerades aus dem krummen Holz der Menschheit gezimmert werden kann.

          Gina Thomas
          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          Der konservative Denker Michael Oakeshott meinte, der englische Konservatismus sei weder eine Doktrin noch ein Glaube, sondern eine Veranlagung, und er führte an, dass diese Veranlagung darin bestehe, „das Vertraute dem Unbekannten und Un­erprobten, Tatsachen dem Mysterium, das Derzeitige dem Möglichen, das Begrenzte dem Unbegrenzten, das Nahe der Ferne, das Ausreichende dem Überfluss, das Zweckmäßige der Perfektion, die vorhandene Freude der utopischen Glückseligkeit“ vorzuziehen. Das beinhalte keine bloße Verherr­lichung der Vergangenheit, sondern eine Wertschätzung des Gegenwärtigen aufgrund dessen Vertrautheit. „Nicht ‚Verweile doch, du bist so schön‘, sondern: Verweile, weil ich an dir hänge.“

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