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Literaturvermarktung : Peinliche Momente in Leipzig

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Schwer symbolisch: Sechs Kilo „Lebenserfahrung und Weisheit” Bild:

Peter Härtling erhält dieses Jahr den Deutschen Bücherpreis. Er ließ sich nicht einmal durch die Peinlichkeiten der Preisverleihung im vorigen Jahr davon abschrecken, ihn anzunehmen.

          Voriges Jahr verlieh der Börsenverein des Deutschen Buchhandels gemeinsam mit der Leipziger Messe erstmals den „Deutschen Bücherpreis“. Die Zeremonie war herzzereißend peinlich. Dieses Jahr wird es Peter Härtling treffen.

          Wie der Ausdruck „Bücherpreis“ schon sagt, ging es um die Ware „Buch“. Dagegen ist nichts zu sagen, aber die Preisträgerin hieß Christa Wolf, und Günter Grass hatte den sogenannten „Bücherbutt“ gestaltet. Das ist ein ziemlich schwerer Klumpen aus Bronze, mit dem die große deutsche Mahnerin für ihr Lebenswerk ausgezeichnet wurde. Und sie mahnte: Man solle den Warencharakter des Buches nicht überhand nehmen lassen. Man dürfe das Buch nicht den Anforderungen der Spaßgesellschaft ausliefern. Passend dazu verhunzte Nana Mouskouri darauf die "Ode an die Freude".

          Die ganze Zeremonie der von Frank Elstner moderierten Preisverleihung war also unglaublich lachhaft. Dieses Jahr wird es der glücklicherweise humorvolle Schriftsteller Peter Härtling sein, der sich den Fluten „spaßgesellschaftlichen“ Unfugs mit der beachtlichen Fülle seines Körpers entgegenstemmen - und in ihnen untergehen wird.

          Ist hier noch Platz für einen Butt? Peter Härtling am Schreibtisch

          Dieses Privileg hat sich Härtling als „einer der vielseitigsten, renommiertesten und produktivsten Schriftsteller unseres Landes“ verdient. Mit diesen Worten charkterisierte ihn Dieter Schormann, der Vorsteher des Börsenvereins.

          Härtling wurde am 13. November 1933 in Chemnitz geboren und lebt heute in der Nähe Frankfurts. Der feinsinnige Autor schrieb Gedichte, Romane und Jugendbücher. 1976 erschien sein Roman „Hölderlin“, 1992 sein gut verkaufter Künstlerroman „Schubert. Zwölf Moments musicaux und ein Roman“.

          Vergeben wird der Preis am 20. März 2003 zum Auftakt der Leipziger Buchmesse im Rahmen einer vom MDR produzierten Fernseh-Gala. Als Moderator konnte die Leipziger Messe Axel Bulthaupt verpflichten, der anfang März auch die Vorentscheidung zum Grand Prix Eurovision moderieren und im Mai auf der Grand Prix Party für Stimmung sorgen wird.

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