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Literaturpreis : Immer wieder Kinderbücher

Sonderpreisträger: Harry Rowohlt Bild: AP

Wieviel Sekt kann man an einem Tag trinken? Und wie hoch ist das Preisgeld in kanadischen Dollars? Zum fünfzigsten Mal ist der Deutsche Jugendliteraturpreis verliehen worden.

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          „Harmonie“ also. Ein Saal, der einer kleinstädtischen Universität als Auditorium maximum genügen würde. Wie hatte der Vorsteher des Börsenvereins, Dieter Schormann, vor vier Jahren gesagt: „Diesen Raum müssen wir ändern.“

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Damals traf man sich noch im Saal „Europa“. Der war zwar viel kleiner, allerdings konnten seine Gäste auch stets ausgiebig in den für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominierten Büchern blättern, die auf langen Tischen ausgebreitet lagen. Im Saal „Harmonie“ hingegen waren die Werke der angereisten Autoren gar nicht mehr zu sehen. Vorenthalten wurden sie in einem Raum, der sich passenderweise „Spektrum“ nannte.

          Gegen Schmutz und Schund

          „Harmonie“ war ein Geschenk der Messe - zum 50. Geburtstag des einzigen Staatspreises für erzählende Literatur, den Deutschland zu vergeben hat. Im Jahr 1956 hieß die Auszeichnung noch Deutscher Jugendbuchpreis, gedacht war sie „gegen den Schmutz und Schund“, der im Wirtschaftswunderland über und unter Ladentischen gehandelt wurde. Franz-Josef Wuermeling (CDU), der erste Bundesminister für Familienfragen, stiftete nicht nur den Preis, er sagte auch so hübsche Sachen wie: „Eine Mutter daheim ersetzt vielfach Autos, Musiktruhen und Auslandsreisen.“ Vermutlich meinte er eine vorlesende Mutter.

          Eine wie Gabi Bauer, die wie schon im vergangenen Jahr durch den Abend führte und sogleich den angereisten Kinderbuchkritikern darlegte, was die vielen Erwachsenen auf der Buchmesse machen: „Sie schauen, wieviel Sekt sie an einem Tag trinken können.“ Unterhaltsamer war der diesjährige Träger des Sonderpreises, der Übersetzer Harry Rowohlt („Pu der Bär“), der bereits eine bronzene Momo bekommen hatte („Der Preis gefällt mir jedes Jahr weniger schlecht“). An die Auszeichnung für sein „Lebenswerk“ knüpfte er die Hoffnung, nie mehr ein Kinderbuch übersetzen zu müssen.

          Bestseller in China und Korea

          Für „Die Kurzhosengang“ ausgezeichnet wurden die Kanadier Victor Caspak und Yves Lanois, die - das aber wurde bei der Verleihung nicht erwähnt - erfunden worden waren von Verleger Zoran Drvenkar und Andreas Steinhöfel, offiziell der „Übersetzer“ der beiden. Prompt blieben die beiden Kanadier der Veranstaltung fern und übermittelten nur eine Frage zum Preisgeld: „Wieviel ist es denn in kanadischen Dollars?“

          Dabei hat der Arbeitskreis für Jugendliteratur nicht nur wieder die 5000 Neuerscheinungen eines Jahres gesichtet und jeweils sechs Bücher in vier Sparten nominiert: Die in 50 Jahren ausgewählten rund 2500 Werke wurden gerade wegen ihrer Nominierungen zu Bestsellern - neuerdings auch in China und Korea.

          Sieger in der Sparte Bilderbuch wurde in diesem Jahr der chinesische Illustrator Chen Jianghong für sein Buch „Han Gan und das Wunderpferd“. Als bestes Kinderbuch wurde „Die Kurzhosengang“ von Victor Caspak und Yves Lanois ausgezeichnet, als bestes Jugendbuch „Schneeweiß und Russenrot“ von der polnischen Autorin Dorota Maslowska. „Nester bauen, Höhlen knabbern“ von Anne Möller bekam den Preis für das beste Sachbuch. „Im Schatten der Wächter“ des englischen Autors Graham Gardner erhielt den Preis der Jugendjury.

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