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Literatur und Gewalt : Die Sprache verdient nicht mehr Schutz als die Diskriminierten

  • -Aktualisiert am

Was soll man vorlesen? Manches Märchen der Brüder Grimm irritiert. Bild: dpa

Wie ist das Verhältnis von Gewalt und Sprache? Tut der Sprache Gewalt an, wer für den Verzicht bestimmter diskriminierender Wörter plädiert? Eine Erwiderung auf Olga Martynova.

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          Vor wenigen Tagen erschien in dieser Zeitung ein Essay von Olga Martynova mit dem Titel „Wer der Sprache Gewalt antut“. Darin befasst sich die Schriftstellerin mit der Frage, wie insbesondere wir als Schreibende mit Begriffen umgehen sollten, denen eine verletzende oder beleidigende Geschichte und Gegenwart attestiert wird. Der Titel markiert dabei bereits die Perspektive der Autorin auf den Gegenstand – Sprache ist für Martynova etwas, dem Gewalt angetan wird. Sie bringt das auf folgende Faustregel: Immer, wenn man der Sprache Gewalt antut, verletzt man die Menschlichkeit.

          Damit bezieht der Essay eine Position, die sich in letzter Zeit immer wieder als Unwohlsein gegen die als „political correctness“ gebrandmarkte Thematisierung von Diskriminierung durch Sprache zeigt. Unweigerlich denke ich an die wütende Diskussion um die Frage, ob ein Gedicht von Eugen Gomringer nach einigen Jahren von der Wand einer Berliner Hochschule wieder entfernt werden sollte oder nicht. Von der Leitung des PEN bis zur Kulturstaatsministerin hieß es damals: Kunst darf nicht im Kontext gesellschaftlicher Debatten gelesen werden. Wer ein Gedicht in einen gesellschaftlichen Kontext stelle, habe Lyrik nicht verstanden. Und hier wird es interessant.

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