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Literatur : Susan Sontag gestorben

  • Aktualisiert am

Susan Sontag, Mai 2004 Bild: AP

Sie schrieb über Happenings und Hiroschima, über Pornographie und das prämenstruelle Syndrom: Am Dienstag ist die amerikanische Schriftstellerin Susan Sontag an den Folgen einer Krebserkrankung gestorben.

          3 Min.

          Die amerikanische Schriftstellerin Susan Sontag ist am Dienstag im Alter von 71 Jahren in New York gestorben. Das teilte das Memorial-Sloan-Kettering-Krebszentrum mit, wo sie bereits seit vielen Jahren an Brustkrebs und damit verbundenen Krankheiten behandelt worden war.

          Im vergangenen Jahr erhielt die Autorin den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Die in New York geborene Sontag gehörte zu den einflussreichsten Intellektuellen der Vereinigten Staaten. Sie beschäftigte sich in ihren Essays und Romanen mit Themen von Politik über Ethik und Gesundheit bis zu Fotografie und Literatur (Porträt: Breites Spektrum)

          Auszeichnung kalt erwischt

          Die Nachricht von der Auszeichnung hatte sie damals kalt erwischt. Sie habe die Liste der bisherigen Preisträger gesehen und gedacht: „Du mußt tot sein. Wenn Du den Preis gekriegt hast, danach ist Schluß“, erzählte sie vor einem Jahr auf der Frankfurter Buchmesse. Die größten Männer und Frauen des Jahrhunderts hätten diesen Preis gekriegt, „und so sehe ich mich nicht“, sagte sie damals.

          Susan Sontag wurde 1933 als Kind einer gutbürgerlichen jüdischen Familie in New York City geboren. Die Eltern lebten zeitweise in China, wo der Vater einen Pelzhandel betrieb. Susan blieb mit ihrer jüngeren Schwester bei Verwandten in New York. Nach dem frühen Tod des Vaters - er starb, als Susan sechs Jahre alt war - heiratete die Mutter ein zweites Mal und zog mit ihrem Mann zunächst nach Tucson in Arizona und später nach Los Angeles.

          Eine persönliche Begegnung mit Thomas Mann

          Sontag hatte schon als Kind Interesse an Literatur. Dazu trug auch eine persönliche Begegnung mit Thomas Mann bei: Im Alter von 14 Jahren war sie bei den Manns zum Tee eingeladen. Später studierte sie Philosophie und Literaturwissenschaften an den Universitäten von Berkeley und Chicago. Ihre Promotion schloß sie 1954/1955 an der Harvard-University ab. Später verbrachte sie auch ein Jahr zu Studienzwecken in Paris. Bereits damals war ihr Interesse an europäischer Kultur sehr groß. Sie selbst bezeichnete sich als „europhil“, in der intellektuellen Szene Amerikas galt sie bis zuletzt als Brückenbauerin zwischen dem alten und dem neuen Kontinent.

          Zuletzt lebte sie mehrere Monate des Jahres in Europa, oft in Frankreich oder Spanien, manchmal aber auch in Deutschland. „Ich nenne mich gerne die weltgrößte Germanistin, die kein Deutsch spricht“, sagte sie im vergangenen Jahr. Und sie fügte hinzu: „Die meisten Schriftsteller, denen ich nahe stehe, sind keine Amerikaner.“

          Erfolg vor allem mit Essays

          Ihren ersten Roman veröffentlichte Sontag, die in den 60er Jahren lange Zeit als Hochschullehrerin arbeitete, 1963. „The Benefactor“ (“Der Wohltäter“) handelt von einem Dandy, der sich zwischen Traumwelt und Wirklichkeit treiben läßt. Aber sehr viel mehr Aufmerksamkeit als mit ihrem literarischen Schaffen erntete sie mit ihren Essays - das blieb übrigens bis zuletzt so. In ihren Artikeln beschäftigte sich Sontag mit allen aktuellen Fragen von Kunst und Literatur. Sie schrieb über Happenings und postabstrakte Malerei, über Hiroschima und Vietnam, über Pornographie und das prämenstruelle Syndrom - und machte solche Sujets damals in der Kulturszene hoffähig.

          In vielen ihrer Werke beschäftigte sich die Mutter eines 1952 geborenen Sohnes mit höchst kontroversen Themen. 1968 reiste Sontag für zwei Wochen nach Vietnam und schrieb anschließend den Bericht „Trip to Hanoi“ (“Reise nach Hanoi“). Nach ihrer Brustkrebsoperation 1975 verarbeitete sie ihre Ängste und Gefühle in dem Essay „Illness as Metaphor“ (“Krankheit als Metapher“). Nach Verhängung des Kriegsrechts in Polen 1982 setzte sie öffentlich Kommunismus mit Faschismus gleich, was ihr viel Kritik linker Intellektueller einbrachte. Während des Krieges in Bosnien-Herzegowina reiste sie zwei Mal für längere Zeit nach Sarajevo und inszenierte dort im Theater der Jugend die bosnische Erstaufführung von Samuel Becketts „Warten auf Godot“.

          Kritik an Bushs Regierung

          Ihr 1992 veröffentlichter Roman „Liebhaber des Vulkans“ war zwar kommerziell erfolgreich, stieß aber auf wenig Zustimmung der Literaturkritiker. Ganz anders war es dann bei dem Werk „In America“ (“In Amerika“). Für die Geschichte einer polnischen Schauspielerin, die nach Amerika auswanderte und dort Starruhm erlangte, erhielt Sontag 2000 den renommierten Literaturpreis National Book Award.

          Nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 kritisierte sie heftig die Reaktion der Regierung in Washington. „Die US-Regierung sah den 11. September als Möglichkeit, die Spielregeln zu ändern“, bekräftigte sie voriges Jahr in Frankfurt ihre Kritik. „Radikale haben die Macht übernommen.“

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