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Literatur-Nobelpreis : Swetlana Alexijewitsch: Collagen des russischen Alltags

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Lässt jeder der Stimmen, die sie versammelt, individuell erklingen: Swetlana Alexijewitsch im Oktober 2013 in Frankfurt Bild: Picture-Alliance

Der Literatur-Nobelpreis wird in diesem Jahr an die weißrussische Journalistin und Schriftstellerin Swetlana Alexijewitsch verliehen.

          Der Literatur-Nobelpreis wird in diesem Jahr an Swetlana Alexijewitsch verliehen. Die Journalistin und Schriftstellerin werde für ihr vielstimmiges Werk geehrt, welches dem Leid und dem Mut unserer Epoche ein Denkmal setze, heißt es in der Begründung des Nobelpreiskomitees. Alexijewitsch ist bereits 2013 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet worden.

          Swetlana Alexijewitsch ist mit einem ganz eigenen
          literarischen Stil zum moralischen Gedächtnis des zerfallenen Sowjetimperiums geworden. Die weißrussische Schriftstellerin hat mit ihren Collagen das Leid, die Katastrophen und den harten Alltag der Menschen in ihrer Heimat aufgearbeitet.

          Erstmals wandte die gelernte Journalistin ihre literarische Methode 1983 im Buch „Der Krieg hat kein weibliches Gesicht“ an. Mit Interviews dokumentierte sie das Schicksal sowjetischer Soldatinnen im Zweiten Weltkrieg. Für „Zinkjungen“ (1989) sprach sie mit mehr als fünfhundert Veteranen des sowjetischen Afghanistan-Feldzugs und Müttern gefallener Soldaten. Genauso porträtierte sie 1997 die Überlebenden der  Reaktorkatastrophe von Tschernobyl.

          Als ihr Großwerk gilt „Secondhand-Zeit“ von 2013 – eine Sammlung von Stimmen über die erschütternden Erfahrungen des kommunistischen Experiments in der Sowjetunion. Da sie unter dem autoritären Regime in Weißrussland öffentlich kein Gehör fand und ihre Werke nicht verlegt wurden, hielt sie sich viele Jahre im Ausland auf. 2011 zog sie trotz ihrer oppositionellen Haltung zurück nach Minsk. „Ich will zu Hause leben, unter meinen Leuten, meinen Enkel aufwachsen sehen“, sagte sie. Außerdem sei Quelle ihres Schaffens immer das Gespräch mit den Menschen gewesen. „Und das kann ich am besten hier und in meiner Sprache“, sagt Alexijewitsch.

          Im vergangenen Jahr hatte die Schwedische Akademie den Franzosen Patrick Modiano geehrt. In diesem Jahr waren knapp 200 Autoren für den weltweit wichtigsten Literaturpreis nominiert, 36 von ihnen zum ersten Mal. Letzte deutschsprachige Preisträgerin war Herta Müller im Jahr 2009.

          Wie die anderen Auszeichnungen ist der Literaturnobelpreis mit acht Millionen Kronen (etwa 850.000 Euro) dotiert. Alle Preise werden am 10. Dezember, dem  Todestag Alfred Nobels, verliehen.

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