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Literatur-Nobelpreis 2011 : Dass Tranströmer und wir das noch erleben dürfen

  • -Aktualisiert am

Freude über den Sieg beim Heimspiel: Tomas Tranströmer Bild: dpa

Groß ist die Freude in Schweden, der Heimat des Tomas Tranströmer, über den Literatur-Nobelpreisträger. In Deutschland und zur Buchmesse werden seine Werke nachgedruckt.

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          Wunderbar, wohl verdient, fantastisch: Der Jubel schwedischer Schriftsteller und Politiker zum Literaturnobelpreis an ihren Landsmann Tomas Tranströmer hob sich ab von der üblichen kühlen Distanz, die vielen Schweden eigen ist. Ungewöhnlich war auch, dass ein Mitglied der Schwedischen Akademie, die den Preis vergab, am Nachmittag in einem Internet-Chat auf Fragen antwortete und die Auszeichnung begründete.

          Per Wästberg, Schriftsteller und zeitweise Präsident des internationalen PEN, nannte Tranströmers Gedichte „Wunder der Einfachheit und Verdichtung“. Er finde unterirdische Kanäle und gestalte Menschen ohne Formeln. Kein anderer schwedischer Verfasser sei im Ausland bekannter – Tranströmer sei in fünfzig Sprachen übersetzt, selbst auf Vietnamesisch. In China und Slowenien seien Cafés nach ihm benannt, und Universitätskurse von Amerika bis Italien widmeten sich seinem Werk, so Wästberg.

          Universelle Sprache

          Der schwedische Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt hielt es staatstragend und kurz: Er sei froh und stolz, sagte er. Gemütvoller gab sich der Vorsitzende der Sozialdemokraten Håkon Juholt: endlich, dies sei herrlich, ein großer Tag. Tranströmer habe eine universelle Sprache mit musikalischer Note, aber auch eine karge Bildersprache, die anspreche. Die schwedische Kultusministerin Lena Adelsohn Liljeroth, wie Reinfeldt aus der konservativen Partei, sprach vom Stolz aller. Sie ist derzeit bei einer Kulturkonferenz in Malmö, die, wie es der Zufall wollte, mit dem Vortrag eines Gedichts des nunmehr achten schwedischen Nobelpreisträgers eröffnet worden war.

          Ebenso ist Zufall, dass die Zusprechung einen Tag vor einer Uraufführung am Stadttheater in Stockholm kam: nämlich des ersten Theaterstücks, das auf dem Werk Tranströmers beruht. Der Zeitpunkt der Aufführung zielte eigentlich auf den achtzigsten Geburtstag des Dichters vor sechs Monaten.

          Auch der schwedische PEN-Vorsitzende Ola Larsmo würdigte Tranströmer. Der Lyriker beschreibe den Alltag so, dass man ihn besser verstehe – genau diese Kunst müssten gute Poeten beherrschen.

          Es wird nachgedruckt

          Der Schriftsteller Lars Gustafsson nannte Transströmer in „Dagens Nyheter“ einen Mystiker, „einen Dichter, der Null gesehen hat, den leeren Punkt im Zentrum, ohne den nichts ist“. Die größte schwedische Zeitung, „Aftonbladet“, umschrieb ihn als den „Poeten, den alle lieben“. Eva Beckman, Leiterin der Kulturredaktion beim schwedischen Fernsehen, sagte, sie sei erst erschreckt gewesen und habe dann geweint an diesem frohen Tag: Tomas Tranströmer sei nicht nur zeitlos-klassisch, sondern auch exakt mit Worten, die dann unglaublich leicht aussähen – eine Fähigkeit, die vielen Dichtern abgehe.

          Tranströmers schwedische Verlegerin Eva Bonnier, zugleich Vorsitzende der schwedischen Verlegervereinigung, nannte ihn einen würdigen Preisträger, auf den viele Menschen viele Jahre gewartet hatten. Bei Hanser, Transströmers deutschem Verlag, zeigte man sich „schlicht überwältigt“ von der „beglückenden Entscheidung“. Seine Werke „Sämtliche Gedichte“, der Gedichtband „Das große Rätsel“ und der Prosa-Band „Die Erinnerungen sehen mich“ werden sofort nachgedruckt und sollen von der kommenden Woche an „in großer Zahl“ im Handel erhältlich sein.

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