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Literatur : John Banville bekommt den Booker Prize

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Mein Buch und ich: John Banville Bild: AP

Der Ire John Banville hat für seinen Roman „The Sea“ eine der wichtigsten englischsprachigen Literaturauszeichnungen, den Man Booker Prize, erhalten. Er setzte sich gegen fünf andere Finalisten durch.

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          Der Ire John Banville hat als Überraschungssieger für seinen Roman „The Sea“ den Booker Preis 2005 erhalten, die wichtigste britische Literaturauszeichnung.

          Das Werk sei eine „meisterliche Studie der Trauer, der Erinnerung und der Liebe“, begründete der Juryvorsitzende, der Literaturexperte Prof. John Sutherland, am Montag abend in der Guildhall in London die Entscheidung. Der 59jährige Banville gilt als einer der bedeutendsten irischen Schriftsteller. Seit seiner ersten Nominierung für den mit 50.000 Pfund (rund 73.000 Euro) dotierten Booker Preis hatte Banville 16 Jahre auf die Anerkennung durch den begehrten Preis warten müssen.

          Starke Konkurrenz

          Banville, 1945 in der irischen Kleinstadt Wexford geboren, setzte sich mit knapper Mehrheit gegen eine extrem starke Konkurrenz durch. Unter den sechs Finalisten waren bis zuletzt Julian Barnes („Arthur and George“) und Zadie Smith („On Beauty“) als Favoriten gehandelt worden. Der Roman „The Sea“ (Die See) erzählt von dem in die Jahre gekommenen Max Morden, dessen Frau an Krebs gestorben ist. Er kehrt in den Küstenort zurück, wo er als Kind die Sommerferien verbrachte. Dort stellt er sich den Erinnerungen an traumatische Ereignisse von damals.

          Das Buch, der 14. Roman des Schriftstellers und Literatur-Journalisten, wurde von britischen Rezensenten als Meisterwerk des poetischen Schreibens gelobt. Stilistische Kunstfertigkeit gilt als Markenzeichen des Autors. Banville selbst sagte über seine eigene Arbeit einmal im Deutschlandfunk: „Der Roman zielt wie jede andere Kunstform darauf ab, zu ergreifen und zu erfreuen, das ist sein Hauptziel.“ (1999)

          Historienromane über Wissenschaftler

          In den Büchern des Booker-Preisträgers stehen häufig Männer im Zentrum, die ihr Leben rückblickend betrachten oder entscheidende Erfahrungen sammeln. Banville war in den siebziger Jahren vom experimentierfreudigen Nachwuchsautor zu einem führenden Romancier aufgestiegen. Internationale Anerkennung - auch in Deutschland - fanden seine Historienromane über große Wissenschaftler wie „Doktor Kopernikus“ und „Kepler“. Hellmuth Karasek pries den Roman „Athena“ (1996) als grandios, das Buch „Sonnenfinsternis“ dagegen wurde 2002 in Deutschland für zu wenig Handlung kritisiert. Zuletzt erschien bei Kiepenheuer & Wisch „Caliban“.

          Der Kölner Verlag kündigte am Dienstag an, „The Sea“ werde im Herbst 2006 in Deutsch auf den Markt kommen. Der verheiratete Banville, der zwei Kinder hat und in Dublin wohnt, freute sich während der Feier in London sichtlich über die Ehrung: „Ich habe nicht erwartet zu gewinnen. Ich dachte, es sei ein kleines Buch, das gegen die großen Tiere im Wettbewerb keine Chance hat.“ Der irische Ministerpräsident Bertie Ahern gratulierte Banville zu der „verdienten“ Auszeichnung. Der Preis wird jedes Jahr für einen Roman aus den Commonwealth-Ländern oder aus Irland vergeben. Vorjahressieger war der Brite Alan Hollinghurst mit seinem Schwulen-Roman „The Line of Beauty“. Frühere Gewinner des Man Booker Preises - so heißt die Auszeichnung offiziell nach dem Sponsor, dem Börsenmakler Man Group - waren unter anderem Salman Rushdie und Ian McEwan.

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