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Literatur : Gabriel García Márquez kehrt auf die literarische Bühne zurück

  • -Aktualisiert am

Literatur-Nobelpreisträger Gabriel Garcia Márquez meldet sich zurück. In Kürze erscheint seine Autobiografie.

          Vor einem Jahr beunruhigte eine Meldung die Weltöffentlichkeit. Gabriel Garcia Márquez, der aus Kolumbien stammende Nobelpreisträger für Literatur, sei schwer krank, hieß es damals.

          Die Nachricht wurde vermeldet, als ginge es weniger um einen Schriftsteller, als um einen gütigen Monarchen, der vom Volk geliebt wird und um den es sich sorgt. Ähnlich traurig sind streng gläubige Katholiken, wenn der Papst erkrankt. Wenn heute gemeldet wird, dass Garcia Márquez genesen ist und sogar ein Interview gegeben hat, dann ist das mehr als eine Randnotiz. Ein ganzer Kontinent scheint aufzuatmen. Und mit ihm Leser in aller Welt.

          Politische Autorität

          Gabriel Garcia Márquez wird in Lateinamerika verehrt wie kein zweiter Schriftsteller dieses an Literatur so reichen Kontinents. Man nennt ihn dort liebevoll „Gabo“. Geliebt wird er nicht nur für seine Romane, die ihn auch in Europa berühmt machten: „Der Oberst hat niemand, der ihm schreibt“ (im Original erstmals 1961 veröffentlicht), „Hundert Jahre Einsamkeit“ (1967), „Chronik eines angekündigten Todes“ (1981) oder die „Liebe in den Zeiten der Cholera“ (1986). Geachtet wird er auch als politische Autorität. Die Armen sehen in ihm einen Anwalt gegen die Auswüchse des Kapitalismus, den er immer wieder anprangert, wenn auch moderater als sein Duz-Freund Fidel Castro. Dass er dabei die kubanischen Verhältnisse schönredet, ist eine andere Sache. Die Übrigen respektieren ihn für das Selbstbewusstsein, mit dem er den oft als arrogant empfundenen Vereinigten Staaten entgegentritt.

          Der Autor hat viele, die ihm schreiben

          Das hat er mit dem mexikanischen Schriftsteller Carlos Fuentes gemein, der in seinem jüngsten Roman „Die Jahre mit Laura Diaz“ davon spricht, dass die mexikanische Gesellschaft zivilisierter sei als die amerikanische. Wie Fuentes, so gibt Garcia Márquez Lateinamerika das Selbstbewusstsein zurück, dass es in den Jahren der Diktaturen und der damit verbundenen „Fremdbestimmung“ durch die unbeliebten „Yankees“ einzubüßen drohte. Anders als der Intellektuelle und Salonlöwe Fuentes bewahrte sich Garcia Márquez immer eine Volkstümlichkeit. Die drückt sich literarisch in überbordender Erfindungslust und in der Vermischung von Wundern und Wirklichkeit aus. Wie beliebt Garcia Márquez in Kolumbien ist, ist seiner Kolumne „Gabo contesta“ (Gabo antwortet) anzumerken. Der Schriftsteller hat (anders als der Oberst) viele, die ihm schreiben - und literarische Fragen an ihn richten. Alle paar Wochen beantwortet „Gabo“ eine Frage, dann aber ausführlich.

          Mit den Mächtigen auf gutem Fuß

          Wenn Gabriel Garcia Márquez sich politisch äußert, dann findet er auch international Gehör. Sein großer Artikel über die zwei Identitäten des gefürchteten venezolanischen Staatspräsidenten Hugo Chavez erschien gleichzeitig in vielen Zeitungen in aller Welt. Während der Nato-Bombardements auf Serbien erschien von ihm eine Erinnerung an persönliche Begegnungen mit dem damaligen Nato-Generalsekretär Javier Solana und mit dem Oberbefehlshaber der Aktion, General Wesley J. Clark. Auch dieser Beitrag wurde in der ganzen Welt beachtet, auch wenn er in der literarischen Qualität an das Chavez-Porträt nicht heranreichte. Die persönliche Bekanntschaft mit Mächtigen - seit Neuestem verkehrt er auch mit Bill Clinton - verleiht „Gabos“ Urteil zusätzliche Autorität. Garcia Márquez ist neben Mario Vargas Llosa der letzte und romantischste Vertreter des politisch engagierten Großschriftstellers.Das macht ihn zu einem Fossil des 20. Jahrhunderts und ist Teil seiner Faszination.

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