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Literatur : Friederike Mayröcker erhält Büchner-Preis

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Friederike Mayröcker bei der Preisverleihung in Darmstadt Bild: dpa

Ihr „undomestiziert-wildwuchernder poetischer Blick“, so der Laudator Thomas Kling hat der Lyrikerin den begehrten Preis eingetragen.

          Die österreichische Schriftstellerin Friederike Mayröcker ist am Samstag in Darmstadt mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet worden. Die 76-Jährige erhielt die wichtigste Literaturauszeichnung im deutschsprachigen Raum für ihr Gesamtwerk. Die gebürtige Wienerin war seit Kriegsende vor allem mit experimenteller Lyrik, Hörspielen und Textcollagen hervorgetreten.

          Der Lyriker Thomas Kling sagte in seiner Laudatio im Hessischen Staatstheater, es seien „Mayröckers Gedichte, die in der deutschen Literatur der Gegenwart deutlich lesbare Spuren hinterlassen haben“. Er bescheinigte Mayröcker einen „undomestiziert-wildwuchernden poetischen Blick“, ihr Werk habe sich der „Schilderung von Übergangsstadien“ verschrieben folge einer „Ästhetik der Abschweifung“.

          Deutsche Titelmeisterin“

          Kling nannte Mayröcker „die deutsche Titelmeisterin“ und verwies auf ihr „aus etwa sieben Dutzend Büchern“ bestehendes Werk. Typisch für ihr Schaffen sei „der Versuch, eine sekundenkurze Allerwelts-Flüchtigkeit“ festzuhalten. Ihr Werk zeichne sich durch eine ausgefeilte Schnitttechnik aus und sei „gespickt voll mit Zitaten aus dem Schrifttum toter und lebender Autoren“, sagte Kling.

          Der Büchner-Preis, der von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung alljährlich im Oktober verliehen wird, ist mit 60.000 Mark dotiert. Mayröcker arbeitete nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst als Englischlehrerin in Wien. 1946 veröffentlichte sie ihre ersten Gedichte. Seit Ende der 60er Jahre ist sie als freie Schriftstellerin tätig. Mayröckers Werke stehen in der Tradition von Dada und Surrealismus. Ihr zusammen mit Ernst Jandl geschriebenes Hörspiel „Fünf Mann Menschen“ wurde 1968 mit dem renommierten Hörspielpreis der Kriegsblinden ausgezeichnet.

          Mehr als 70 Werke hat sie veröffentlicht, zuletzt in diesem Jahr den Text „Requiem für Ernst Jandl“, in dem sie nochmals an ihren im vergangenen Jahr gestorbenen langjährigen literarischen Weggefährten erinnert. Für Auflagenrekorde hat Mayröcker nie gesorgt, dafür aber die Literaturkritiker immer wieder zu Begeisterungsstürmen angeregt. Vor vier Jahren wurde sie bereits mit dem kaum weniger angesehenen Droste-Preis ausgezeichnet. Wie die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff verweigere sich Mayröcker konsequent „den modischen literarischen Trends“, hieß es damals in der Begründung der Jury.

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