https://www.faz.net/-gqz-2nrn

Literatur : Die politischen Bekenntnisse der Donna Leon

  • Aktualisiert am

Ganz schön „tough”: Donna Leon Bild: dpa

Die Schriftstellerin Donna Leon hat sich als Pessimistin bezeichnet. Pessimistisch sind auch ihre politischen Ansichten.

          1 Min.

          Die amerikanische Schriftstellerin Donna Leon, Autorin von Venedig-Krimis um den Kommissar Brunetti, ist nach eigenem Bekunden desillusioniert. Das einzige, woran sie noch glaube, sei die Ökologie. Alles andere sei verloren gegangen, sagte die Schriftstellerin der spanischen Tageszeitung El Pais.

          Pessimistisch sieht sie Italien. Früher sei das Land gastfreundlich gewesen, mit den Asylanten habe dort der Rassismus Einzug gehalten. „Die Italiener warten auf einen neuen Mussolini, einen, der all diesen Leuten sagt, dass sie verschwinden mögen.“ Den Rassismus wolle sie in einem ihrer nächsten Bücher thematisieren. In Italien lebe sie nur, weil sie dort Freunde habe und weil man sie dort, anders als in Deutschland, Österreich und der Schweiz, nicht kenne.

          Gescheitert ist in ihren Augen auch die Reform der italienischen Justiz. „Hier gibt es keine Justiz“, klagt sie. Bewunderung empfinde sie für den spanischen Richter Baltasar Garzón.

          Der müsse sich nach dem ehemaligen chilenischen Diktator Pinochet einen neuen Unhold vornehmen: den früheren amerikanischen Präsidentenberater Henry Kissinger, den sie für die damals von ihm mitgetragene amerikanische Politik, Militärdiktaturen als Stabilitätsfaktoren anzusehen, einen „Verbrecher gegen die Menschlichkeit“ und ein „Monster“ nennt.

          Befragt zu ihren früheren Lebensstationen, wo sie als Sprachlehrerin in China, Iran und Saudi-Arabien lebte, setzt sie zu einer Tirade gegen Saudi-Arabien an. „Ich würde mir am liebsten einen Bomber mieten und das Land für immer von der Landkarte fegen.“ Dann präzisiert sie, dass sich ihre Wut nicht gegen den Islam richte - so liebe sie die Menschen im Iran - sondern nur gegen Saudi-Arabien und dort auch nur gegen die Männer. „Wenn eine Frau dort ihr Gesicht zeigt, erheben sie sofort die Hand gegen sie.“

          Trost gegen die allgegenwärtige Tristesse findet die Autorin, die sich trotz ihres Pessimismus als „glücklichen Menschen“ bezeichnet, nur in der Oper. „Händel ist mein liebster Komponist ... Er gefällt mir, weil er immer fröhliche Musik schrieb, niemals schrieb er ein Requiem. Seine Musik ist fröhlich und macht glücklich.“

          Weitere Themen

          Sein Leben liest sich wie ein Roman

          Walter Kaufmann : Sein Leben liest sich wie ein Roman

          Immer unbeugsam und unbequem: In der Biographie und Literatur des Schriftstellers Walter Kaufmann spiegeln sich die Schrecken deutscher Geschichte. Nun ist er mit 97 Jahren gestorben.

          Topmeldungen

          Der französische Präsident Emmanuel Macron am 17. März bei einem Krankenhausbesuch am Stadtrand von Paris

          Öffnungen in Frankreich : Macron kümmert sich nicht um Inzidenzwerte

          Frankreich arbeitet an einem abgestuften Öffnungsplan nach britischem Vorbild – trotz hoher Infektions- und Todeszahlen. Inzidenzen oder die Auslastung der Intensivstationen sollen bei den Lockerungen keine Rolle spielen.
          Bill McDermott war bei SAP ein jahrelang ein Erfolgsgarant.

          Servicenow-Chef McDermott : „Ich vermisse Hasso“

          Bill McDermott ist gut drauf. Nach dem Aus bei SAP führt er nun Servicenow. Ein Gespräch über den Kampf gegen Corona, seine Pläne, Ziele und ein Elvis-Bild.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.