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Literatur : Die literarische Welt trauert um Jorge Amado

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Jorge Amado mit seiner Frau Zelia Gattai Bild: AP

Reaktionen aus Politik und Literatur auf den Tod des brasilianischen Schriftstellers.

          In den brasilianischen Zeitungen wie „O Globo“ oder „Folha de S. Paulo“ ist der Tod Jorge Amados am Dienstag das wichtigste Thema. Die gedruckten Ausgaben und die Ausgaben im Internet widmen seinem Leben, seinen Büchern und seinen illustren Freunden große Artikel und Sonderseiten.

          Der brasilianische Präsident Henrique Cardoso feierte Amado als „Kämpfer für Freiheit und Gerechtigkeit“. Präsident Cardoso erklärte nach dem Tod des Schriftstellers, Amado habe immer an „der Seite der Entrechteten und Unterdrückten gestanden“. Mit seiner Sprache habe er „alle fünf Sinne verführt“.

          Der Präsident der brasilianischen Akademie für Literatur, Tarcisio Meirelles Padilha, würdigte seine überragende Rolle als „Botschafter der brasilianischen Kultur“. Der portugiesische Schriftsteller und Literatur-Nobelpreisträger José Saramago beklagte Amados Tod als „enormen Verlust für die portugiesische Sprache und für die Literatur“.

          Nach einem Bericht des Fernsehsenders „Globo“ war der 88-jährige Schriftsteller am frühen Abend ins Krankenhaus eingeliefert worden, weil er sich schlecht fühlte. Wenig später sei er gestorben. Amado war seit langem zuckerkrank, fast völlig blind und hatte einen Herzschrittmacher. In der Öffentlichkeit wurde er seit Monaten nicht mehr gesehen. Er war in den vergangenen Wochen mehrfach ins Krankenhaus eingeliefert worden. Seinen 89. Geburtstag am Freitag wollte er unbedingt zu Hause feiern.

          Zu Amados bekanntesten Werken gehören „Gabriela wie Zimt und Nelken“ sowie „Dona Flor und ihre zwei Ehemänner“. Seine fast 50 Bücher wurden in 54 Sprachen übersetzt, einige auch verfilmt. Amados Romane sind geprägt von sozialrevolutionärer Romantik. In den meisten seiner Werke geht es um die soziale Besserstellung der Unterschicht.

          Amado war am 10. August 1912 als Sohn eines Kakao-Plantagenbesitzers geboren worden. Er war verheiratet und Vater zweier Kinder. Seinen ersten Roman „Land des Karnevals“ schrieb er im Alter von 19 Jahren. Danach schloss er sich der Kommunistischen Partei an, wurde politisch aktiv und absolvierte eine Journalistenausbildung. Mitte der 30er Jahre wurde er wegen seiner Überzeugungen ins Gefängnis gesteckt. Sein 1937 erschienenes Buch „Herren des Strandes“ wurde öffentlich verbrannt. Später ging er zunächst ins Exil nach Argentinien, wurde dann in seiner Heimat Abgeordneter. Von 1948 bis 1952 war er erneut im Exil, diesmal in Europa und Asien.

          Amados Werk ist das meistgelesene der lateinamerikanischen Literatur des 20. Jahrhunderts, die weltweite Auflage seiner Bücher wird auf 17 Millionen Exemplare geschätzt. In der DDR erhielt Amado den Lenin-Preis. Die Schriftstellerin Anna Seghers schrieb über ihn: „Ein brasilianischer Balzac spricht aus dem Urwald“.

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