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Literatur : Brasilianischer Schriftsteller Jorge Amado ist tot

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Jorge Amado mit seiner Frau Zelia Gattai Bild: AP

Im Alter von 89 Jahren ist der populärste brasilianische Schriftsteller, Jorge Amado, in Salvador da Bahia gestorben.

          Anna Seghers nannte ihn einen „brasilianischen Balzac“. Jorge Amado, einer der größten Schriftsteller Lateinamerikas ist tot. Der brasilianische Jurist und Schriftsteller starb an diesem Montag, vier Tage vor seinem 89. Geburtstag, an Herzversagen.

          Der Gesundheitszustand Amados hatte sich seit 1997 nach einer Herzoperation zunehmend verschlechtert. In den vergangenen Jahren litt der Autor auch unter Depressionen. Sein Augenlicht wurde immer schwächer und er konnte seiner Lieblingsbeschäftigung, dem Lesen, nicht mehr nachgehen. Er verließ sein Haus kaum noch. Amado lebte in Salvador da Bahia mit seiner Ehefrau Zelia Gattai (85), die seit mehr als einem halben Jahrhundert seine Weggefährtin war.

          Harte Schule

          Jorge Amado pflegte einen volkstümlichen Stil. Seine Werke wirkten auch auf Menschen anziehend, die sonst kaum zu Büchern greifen. Am 10. August 1912 in Ilheus (Bahia) geboren, kam er über Jesuitenschule, Landarbeit, Journalismus und Jurastudium zur Literatur. Seine ersten Werke (am Anfang stand 1931 „O Pais do Carnaval“) waren von seiner Zugehörigkeit zur Kommunistischen Partei geprägt. In späteren Jahren milderte Amado die harte Sozialkritik aus „Jubiaba“ oder „Capitaes da Areia“ („Herren des Strandes“) zu Gunsten einer differenzierten Schilderung der Charaktere.

          Nach Jahren der Aktivität in der Kommunistischen Partei Brasiliens (1951 erhielt er den Lenin-Friedenspreis) zog sich Amado 1956 von der Politik zurück. „Ich habe mich für das Schreiben, für die Literatur entschieden“, sagte er rückblickend. Viele von Amados Romanen der zweiten Phase stellen Frauen in den Mittelpunkt, „Gabriela, Clavo e Canela“ („Gabriela wie Zimt und Nelken“), „Dona Flor e seus dois maridos“ („Dona Flor und ihre zwei Ehemänner“) oder das Freudenmädchen, vielmehr die Freuden-Dame „Tieta de Agreste“ („Tieta aus Agreste“), die die Heuchelei der Kleinstädter entlarvt.

          Jeder kannte ihn

          Seine Romane mit ihrer Schilderung der Menschen und vielfältigen Kulturen Brasiliens wurden in 50 Sprachen übersetzt und oft internationale Bestseller. Auch TV- und Kino-Verfilmungen machten seine Romanfiguren berühmt. Heuchelei war ein Lieblingsthema Amados. In „Tenda dos Milagres“ („Werkstatt der Wunder“, deutsch auch „Geheimnisse des Mulatten Pedro“) wird ein bescheidener Schriftsteller nach seinem Tod von einem ausländischen Forscher entdeckt - und sogleich gilt er als einer der größten. Hier hat Amado, der oft als bloßer Unterhaltungsliterat angesehen wurde, autobiografische Klage eingebracht.

          Jorge Amado, der stets nur von Brasilien erzählte, war in der ganzen Welt unterwegs, mit zunehmendem Alter besonders zur Entgegennahme von Auszeichnungen, darunter 1984 als „Kommandeur der französischen Ehrenlegion“. In Salvador arbeitete er an seinen Büchern und war ständig von Freunden umgeben. Seit 1961 war er Mitglied der Brasilianischen Akademie der Literatur.

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