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Limbach-Kommission : Ausschließlich Tätervertreter?

  • -Aktualisiert am

Kritisiert die Limbach-Kommission: Der Präsident des Jüdischen Weltkongresses, Ronald S. Lauder Bild: dpa

Die Limbach-Kommission steht international in der Kritik. Ihren Entscheidungen zur Rückgabe von Raubkunst mangele es an Fairness und Transparenz. Könnte ein Opfervertreter Abhilfe schaffen?

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          Politiker, nicht bloß deutsche, merken oft zu spät, wie sehr ihr Reden und Handeln im Angesicht der Öffentlichkeit nicht nur sachlichen, sondern auch symbolischen Charakter hat. Vor kurzem hat Monika Grütters, die Kulturstaatsministerin, bei einem Besuch in Kalifornien auf die Frage eines Reporters der „New York Times“, warum in der Limbach-Kommission, die bei Streitfällen über die Rückgabe von Raubkunst angerufen werden kann, kein Vertreter jüdischer Organisationen sitze, geantwortet, eine solche Person sei für die Kommission ungeeignet, denn sie wäre „die einzige Stimme, die voreingenommen wäre“ („the only voice who would be prejudiced“). Wenig später ließ sie den Vorwurf der Parteilichkeit, der entrüstete Reaktionen im Internet ausgelöst hatte, durch einen Sprecher zum Verdacht eines „potentiellen Interessenkonflikts“ abmildern.

          Nun heißt es, sie wolle der Kommission empfehlen, eine „Persönlichkeit mit jüdischem Hintergrund“, wie etwa den früheren Direktor des Jüdischen Museums Berlin Michael Blumenthal, aufzunehmen. Dieses stufenweise Aufgeben einer unhaltbaren Position macht den Vorgang nur noch peinlicher. Seit langem steht die von Jutta Limbach geleitete „Beratende Kommission im Zusammenhang mit der Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogener Kulturgüter, insbesondere aus jüdischem Besitz“, wie ihr offizieller Titel lautet, international in der Kritik. Ihren Entscheidungen mangele es an Fairness und Transparenz, heißt es in einem offenen Brief, den mehrere Anwälte jüdischer Erben unterzeichnet haben. Ein Mittel, diese Transparenz herzustellen, wäre die Berufung eines Opfervertreters in das Gremium.

          Restitution ist keine innerdeutsche Angelegenheit

          Sind die ehrenwerten Damen und Herren Süssmuth, Wolf, Bräutigam, von der Pfordten, Rürup und Tegethoff, die neben Frau Limbach in der Kommission sitzen, also allesamt Tätervertreter? Sachlich gesehen sicher nicht. Symbolisch aber eben doch. Und es ist diese Symbolik, die in der nervenzehrenden Debatte um die Rückgabe von Raubkunst aus deutschen Museen am Ende zählt. Man muss den Präsidenten des Jüdischen Weltkongresses, den Kosmetik-Milliardär Ronald Lauder, nicht sympathisch finden, aber er trifft den Punkt, wenn er feststellt, dass der deutsche Staat den entscheidenden Schritt in der Raubkunstfrage noch nicht getan habe. Dieser Schritt besteht in der Einsicht, dass Restitution keine innerdeutsche Angelegenheit ist.

          Alles, was in der Auseinandersetzung zwischen den Nachkommen der jüdischen Sammler und den hiesigen Museen und Kunstverwaltern verhandelt wird, spielt sich vor internationalem Publikum ab. Und diesem Publikum ist es egal, ob Frau Grütters die Mitglieder der Kommission, die in strittigen Fällen als Schiedsstelle fungiert, für voreingenommen hält oder nicht. Es will Menschen in dem Gremium sitzen sehen, die für die Interessen der Ausgeraubten einstehen. Und es hat recht.

          Andreas Kilb
          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

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