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Liegefahrräder in der Stadt : Nonkonformismus seit 1992

  • -Aktualisiert am

Auf zwei oder drei Rädern – im Liegen ist man im Verkehr oft nicht gerade sicher aufgehoben. Bild: Picture-Alliance

Bei allen Gefährten, die sich auf den Radwegen tummeln, nehmen die Liegefahrräder immer noch eine Sonderposition ein: Wer den Kopf im Straßenverkehr freiwillig auf Auspuffhöhe hält, muss etwas ganz Besonderes sein.

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          Wenn man schon Sport machen muss, dann doch am besten im Sitzen. Rudern zum Beispiel: tolle Sache! Auch beim Fahrradfahren kann man sich einreden, dass man es gerade ganz bequem hat, während man auf einem lächerlich kleinen und harten Sattel sitzt und strampelt wie ein Irrer, aber gut, so funktioniert der Mensch nun mal. Da ist der nächste Schritt fast unausweichlich: Warum sitzen, wenn man auch liegen kann? Liegen ist bekanntlich das bessere Sitzen und den Konzepten Gehen und Stehen ohnehin weit überlegen. Allerdings gibt es nicht viele Sportarten, die man im Liegen ausüben kann. Drachenfliegen ist schwer in den Alltag zu integrieren, und Schwimmen lässt sich nur mit viel gutem Willen dazuzählen.

          Deshalb steigen findige Menschen auf Liegefahrräder um, oder besser: Sie sind längst auf Liegefahrräder umgestiegen, denn sie wirken allesamt, als seien sie mit ihren Gefährten seit Jahrzehnten verwachsen. „Nonkonformismus seit 1992“ wäre ein schöner Aufkleber für Liegefahrräder, aber er ist nicht nötig, denn die Vehikel transportieren genau diese Botschaft ganz von selbst. Wie überhaupt Radwege neuerdings von immer mehr Gefährten mit Aussagen bevölkert sind: all die Lastenfahrräder mit dem Nachwuchs in vorgelagerten Wagen („Wir haben die Welt nur von unseren Kindern geliehen“), die Elektro-Tretroller („Werde den Teufel tun, mich mit dem Pöbel in die U-Bahn zu setzen“) und die im Stadtverkehr absurd anmutenden Fatbikes mit ihren dicken Reifen („Schenk! Mir! Beachtung!“).

          Die Liegefahrräder nehmen aber tatsächlich immer noch eine Sonderposition ein: Wer sich aktiv dafür entscheidet, den Kopf im Straßenverkehr so niedrig zu halten, dass er weder selbst einen guten Überblick hat noch leicht von anderen gesehen wird, muss etwas ganz Besonderes sein. Der Preis des Nonkonformismus sind all die Abgase, die auf Kniehöhe ausgestoßen und von den Liegeradlern direkt an Ort und Stelle eingeatmet werden. Man müsste schon bäuchlings auf einem Skateboard liegend durch die Stadt rollen, um sich für den Individualismus noch mehr aufzuopfern. Vielleicht wird das ja der nächste Trend. Aber versuchen Sie mal, auf ein Skateboard umzusteigen, wenn Sie auf Ihrem Liegefahrrad festgewachsen sind – da ist nichts zu machen.

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