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: Lieblings Bau

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Abseits der bekannten Touristikrouten und, wie es scheint, auch den Blicken potentieller Investoren entzogen, liegt Schloß Friedrichswerth seit Jahren im kulturellen Dämmerzustand. Die zwölf Kilometer nordwestlich von Gotha gelegene, ...

          Abseits der bekannten Touristikrouten und, wie es scheint, auch den Blicken potentieller Investoren entzogen, liegt Schloß Friedrichswerth seit Jahren im kulturellen Dämmerzustand. Die zwölf Kilometer nordwestlich von Gotha gelegene, im siebzehnten Jahrhundert nach französischem Vorbild errichtete barocke Dreiflügelanlage steht zum Verkauf, nachdem der "Internationale Bund" als Betreiber das zuvor im Schloß untergebrachte Jugendheim zum Jahresende 1999 aufgab.

          Ein Investor, der das in der "Denkmalbörse" des "Thüringer Liegenschaftsmanagements" seit Jahren ausgeschriebene Ensemble wiederbelebt, ist, wie bei vielen anderen wertvollen Baudenkmälern im Freistaat, nicht in Sicht. Noch ist die Bausubstanz gut, doch weist das Thüringische Landesamt für Denkmalpflege Erfurt in seinem neuesten Arbeitsheft "Denkmale in Gefahr" (2004) gleich in mehreren Aufsätzen auf bestandsgefährdete Burgen und Schlösser hin.

          Dabei ist Schloß Friedrichswerth nicht irgendein Landsitz, sondern zählt zu den frühesten barocken Landschlössern im Thüringer Raum. Es entstand zwischen 1677 und 1689 an der Stelle einer mittelalterlichen Wasserburg als "specieller Lieblingsbau" Herzog FriedrichsI. von Sachsen-Gotha und Altenburg. Die Pläne lieferte der Gothaer Baumeister Jeremias Tüttleb. Das Bauwerk erhebt sich auf einer bastionär ausgebildeten, von Wassergräben umgebenen Plattform mit einem axial auf das Schloß bezogenen Garten, der ebenfalls von Kanälen eingefaßt wird. Vom Typus her zählt Friedrichswerth zu den "fortificierten Lustschlössern", wie der Kunsthistoriker Ulrich Schütte feststellte. Auch wenn die Gräben inzwischen teilweise verlandet sind, ist die Grundstruktur bis heute ablesbar geblieben.

          Tatsächlich handelt es sich bei Friedrichswerth "um eine in Form und Ausstattung sehr seltene Anlage in Thüringen", in der "die Reinheit der barocken Strukturen", der symmetrischen und geradlinigen Aufteilung erhalten blieben, da in späterer Zeit keinerlei grundlegende Umgestaltungen mehr erfolgten.

          Mit Blick auf die Architektur des Schlosses und Gartens ist Friedrichswerth heute einmal mehr Zeugnis seines Bauherrn Friedrichs I., vereint es doch die Eindrücke, die der Prinz auf seiner "Grand Tour" durch Europa gewinnen konnte. Neben dem Wiener lernte Friedrich 1667 auch den französischen Hof kennen, bereiste den Niederrhein und die Niederlande. Während Jeremias Tüttlebs Schloßanlage in Anlehnung an französische Vorbilder entstand, lehnt sich der Garten nach Ansicht der neueren Forschung eher an holländische Muster an, "wofür vor allem die Umfassung mit einem Kanal, die Betonung der Querachsen, die Vielzahl der Statuen und der seitlich angelegte Baumgarten sprechen".

          Dagegen ist die eigentliche Bedeutung des Schlosses für Herzog FriedrichI. bislang nicht endgültig zu bestimmen, wie die Kunsthistorikerin Edith Ulferts in ihrer 2000 erschienenen Dissertation "Große Säle des Barock - Die Residenzen in Thüringen" bemerkte. Grund: Der Bauherr Herzog FriedrichI., Sohn Herzog Ernsts des Frommen, war 1691, nur zwei Jahre nach Vollendung der Schloßanlage und gerade einmal fünfundvierzigjährig, in seinem "Lieblingsbau" gestorben.

          Friedrich, der ab 1675 stellvertretend für seine sechs jüngeren Brüder regiert hatte, betrachtete den Gothaer Friedenstein immer als Residenz des Gesamthauses, auch als die unter Ernst dem Frommen vereinigten Territorien 1680 endgültig geteilt waren. Friedrichswerth hingegen konnte auch als Landsitz zumindest zeitweilig die Funktion einer gothaischen Residenz erfüllen. Mit dem Tode Friedrichs I. schien der Glanz der Anlage erloschen, die mit kostbaren und teilweise erhaltenen Stukkaturen namhafter italienischer und deutscher Stukkateure wie Brentani, Tavilli und der Gebrüder Rust ausgestattet worden war.

          Eine letzte Nachblüte erlebte das Schloß unter Friedrichs Enkel, Herzog Friedrich III., und seiner Frau Louise Dorothee, einer Korrespondentin Voltaires. Das Herzogspaar hielt sich häufiger in Friedrichswerth auf. 1739 stiftete die Herzogin hier den "Erlauchten Orden der Eremiten von der guten Laune" mit der Ordensdevise "Vive la joie!". Nach diesem letzten Spaß setzte der Ernst des Vergessens ein. HARTMUT ELLRICH

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