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Turteln in der Buchhandlung : Liebesspiele

Buchhandlungen sind das Paradies der Literatursüchtigen. Laut einer Umfrage eigenen sie sich jedoch nicht nur zur Beschaffung von neuem Lesestoff, sondern auch als idealer Ort zum Anbandeln.

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          Kommt ein Gorilla in eine Buchhandlung. In der rechten Pranke hält das Tier „Die Schatzinsel“ von Robert Louis Stevenson, in der linken einen Revolver. Von der verängstigten Buchhändlerin verlangt es weitere Lektüre: Melvilles „Moby-Dick“ und Defoes „Robinson Crusoe“. Eine Sprechblase verrät, was der Gorilla mit dem Überfall bezweckt: „Wenn ich diese drei Bücher gelesen habe, kann ich die Welt erobern!“

          Sean Connery hat es schon in „James Bond jagt Dr.No“, dem ersten Bond-Film aus dem Jahr 1962, gewusst: „Die Weltherrschaft, immer wieder der alte Traum. Unsere Kliniken sind voll von Menschen, die glauben, sie wären Napoleon oder Gott.“ Wie alle Eroberer, Diktatoren, verrückten Erfinder, Reichsbegründer und Weltbeherrscher hat auch der Gorilla schwer einen an der Waffel. Anders ausgedrückt: Er leidet unter einem blinden Fleck in seiner Wahrnehmung. In seinem Hunger nach Bildung und seinem Streben nach Macht, die in Wahrheit nichts anderes sind als Hoffnung auf Anerkennung und Sehnsucht nach Liebe, hat der ungalante Gorilla das Wichtigste übersehen: wie ausnehmend hübsch die junge Buchhändlerin ist, die er gerade bedroht.

          Sie hätten ein schönes Paar werden können. Aber: Tunnelblick auf Weltherrschaft macht einsam. Aus die Maus. Von dem Gorilla, der in den sechziger Jahren das Titelblatt eines amerikanischen Comic-Heftes schmückte, hat man nie wieder gehört. Vielleicht ist er an die Wall Street gegangen. Oder nach Nordkorea. Die Buchhändlerin hingegen hat einfach auf den nächsten, hoffentlich weniger ungehobelten Affen gewartet, der unter einem ähnlich läppischen Vorwand, wie der Griff nach der Weltherrschaft einer war, ihren Laden betrat und flugs drauflosflirtete.

          Dazu sind Bibliotheken und Buchhandlungen schließlich da. In einer Umfrage, die kürzlich vom Verband alleinstehender Buchhändler und Bibliothekare in Auftrag gegeben wurde, gab jeder Dritte der fünftausend Befragten an, er halte Buchhandlungen für den besten Ort, um den Partner fürs Leben kennenzulernen. Für den Internetbuchhandel wie für alle Online-Partnervermittlungen dürfte diese Nachricht ein schwerer, vielleicht sogar der alles entscheidende Schlag sein. Dass sie uns gerade heute, so kurz vor dem Valentinstag, erreicht, ist natürlich purer Zufall. Wir sind schließlich keine Verschwörungstheoretiker. Kommt ein Gorilla in einen Blumenladen. In der rechten Pranke hält das Tier ein Buch, in der linken eine American Express Centurion Card: „Wenn ich jetzt noch Blumen hätte, könnte ich die Welt beherrschen.“

          Hubert Spiegel

          Redakteur im Feuilleton.

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