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Liebe und Verbrechen in Mexiko : Die wahre Telenovela von Party und Verrat

  • -Aktualisiert am

Die Frau: Ana Lucía, Fotomodel, Fernsehstar Bild: Screenshot Youtube

Ein Deutscher in Mexiko trifft ein Model. Sie kriegen einen Sohn. Dann trifft sie einen reichen Mann. Und es wird gefährlich. Eine True-Crime-Story.

          Im August, kurz bevor die Sache explodierte, saß Kai in seinem Apartment über der Millionenstadt, rauchte Camels und sah die Zugvögel, die die Baumkrone vor dem Panoramafenster belagerten. Unten auf der Straße trudelten Geschäftsleute in einen Starbucks, und hinten, ferner, über dem Häusermeer der Metropole, senkten sich Flugzeuge im Landeanflug über Mexiko-Stadt.

          Kai, ein blonder Mann Ende dreißig, schlank, jungenhafte Züge, in Wirklichkeit heißt er anders, der Name ist für diese Geschichte geändert, Kai saß also auf einem weißen Ledersofa und erzählte die Geschichte, die sein Leben auf den Kopf gestellt hatte. Ein Drama wie aus einer mexikanischen Telenovela, in der es um Liebe ging und um Verrat, um Models, Geld und Kartelle, und in der Kai nur eine Statistenrolle spielte, eine Rolle, viel zu groß für ihn, die ihm nun über den Kopf zu wachsen drohte.

          Der Mann: Juan Zepeda, Playboy und Businessman. Links daneben seine Ex-Frau Ninel Conde, genannt Killerbonbon

          Anfang der neunziger Jahre war er mit seinem Vater nach Mexiko gezogen, hatte Abitur gemacht, studiert, gründete bald eine Veranstaltungsfirma. Wenn Michael Bublé oder Mario Testino eine Party in der Hauptstadt veranstalteten, lieferte Kai den Sound. Er hatte sein Auto, seinen Laden, mehrere Angestellte, im Süden der Metropole baute er ein Haus. Es war ein sehr, sehr schnelles Leben, Frauen interessierten sich sehr für den erfolgreichen Deutschen, an den Wochenenden wurde gefeiert, manchmal drei Tage am Stück.

          Auf einer After-Hour-Party, irgendein Sonntagnachmittag, traf er Ana Lucía, eine hübsche Argentinierin mit wasserblauen Augen, Gelegenheitsmodel, zehn Jahre jünger als er. Die beiden wurden ein Paar. „Es war die totale Partyphase, es war krass“, sagt Kai heute über diese Zeit, er verlor den Überblick, eines Tages war Ana Lucía schwanger. Das Kind sollte in Deutschland geboren werden, Kai gab das Geschäft auf und ging mit seiner Freundin nach Berlin. 2010 war das, fast zwanzig Jahre war er nicht mehr in Deutschland gewesen, es war ein Kulturschock.

          Sie ist weg. Das Kind auch.

          Doch Ana Lucía hielt es nicht im kalten Berlin, sie flog nach Argentinien, um ihrer Mutter das Baby zu zeigen, sagte sie. Um für immer dort zu bleiben, schrieb sie eine Woche später.

          Kai war geschockt. Er saß in einer Stadt, in der er niemanden kannte, wo er keinen Job hatte und wo die Miete jeden Monat ein Stück mehr von seinem Ersparten wegfraß, die Frau mit dem Kind über alle Berge. Kai flog nach Mexiko, in seine gewohnte Umgebung, in seine Heimat, irgendwie, wollte alles vorbereiten und die Familie nachholen. Dann machte Ana Lucía Schluss. Sie hatte sich neu verliebt, in einen argentinischen Produzenten, der zwar keinen Sinn für Familie hatte, dafür eine Menge Grammys in der Vitrine. Er habe sehr gelitten damals, sagt Kai: „Ich konnte nur an meinen Sohn denken.“ Ein Jahr später stand Ana Lucía vor der Tür. Kai wollte es noch mal versuchen. Und Ana Lucía wollte Schauspielerin werden.

          Sie geht auf Castings, wird schließlich genommen, „Tour Nocturno“, ein billiges Abendprogramm, als „Bunga-Bunga-Mädchen“, wie Kai es nennt.

          Abends flimmert sie nun über Millionen mexikanische Bildschirme, im Bikini, lässt sich Mörtel in den Ausschnitt schütten. Plötzlich hat sie Fans, Zehntausende folgen ihr auf Twitter, Instagram und Facebook.

          Acapulco, Sommer 2014. Kai feiert Geburtstag, er wird 39. Am Tag vor der Abreise druckst Ana Lucía herum. Sie würde gern noch ein paar Tage bleiben. Es gäbe da einen Bekannten, sagt sie, der würde sie einladen. Ein „alter Sack“ sei das, jemand, der sie in ihrer Karriere unterstützen wolle. Der sei mal „mit so einer operierten Tussi zusammen“ gewesen.

          Kai tippt blind: Ninel Conde? Und trifft direkt ins Schwarze: Ninel Conde, Schönheitskönigin, Busenwunder, Protagonistin zahlloser Telenovelas, diverse Alben, nominiert für den Grammy Latino, ein mexikanischer Star. „Bombón asesino“, nennt sie die Klatschpresse, „Killerbonbon“. Ein Ausdruck, der Ehrfurcht und Bewunderung zugleich ausdrücken soll, denn Ninel Conde ist nicht nur sagenhaft schön, sie ist auch rücksichtslos und kalt. Sieben Jahre war sie verheiratet mit einem Mann, der ihr in Skrupellosigkeit in nichts nachsteht: Ein dubioser Unternehmer, der seine Millionen an der Schnittstelle von Staat und organisiertem Verbrechen gemacht hat, sein Name ist Juan Zepeda, oder, wie Ana Lucía es ausdrückt: „Ein alter Sack“.

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