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: Liebe ist nur ein Sport

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Dieses kurze, schnelle Stück ist nicht in Akte unterteilt, sondern in: sechs Tage. Das hat schon lange kein Theaterstück mehr gewagt. In sechs Tagen nämlich schuf einst der Gott der Genesis, der sein Nächstes, die Schöpfung, liebte ...

          Dieses kurze, schnelle Stück ist nicht in Akte unterteilt, sondern in: sechs Tage. Das hat schon lange kein Theaterstück mehr gewagt. In sechs Tagen nämlich schuf einst der Gott der Genesis, der sein Nächstes, die Schöpfung, liebte wie sich selbst, Himmel, Erde, Welt und Mensch: ein wundervolles Gesamtding. Und ruhte dann am siebten Tag. In sechs Tagen müssen Anne und Johann etwas viel Schwierigeres erschaffen, nämlich sich als Paar so "möglich zu halten", damit jeder den Nächsten mehr liebe als sich selbst, daß Ich und Du im Wir aufgehen - trotz der nicht nur kopulativ mißvergnügten Erkenntnis: "Zehntausend Jahre Geschlechtsverkehr, und wir sind immer noch kein Stück weiter." Und dieses Wir zwischen Du und Ich wäre dann das titelgebende "Wundervolle Zwischending" des neuen Stücks von Martin Heckmanns.

          Im Schauspiel Hannover, das in der Cumberlandschen Galerie, einem der am schönsten verkommenen neogotischen Treppenhäuser der Republik, das Stück jetzt uraufgeführt hat, geht das Wort "Zwischending" unter, auf das Johann so verzweifelt und hingebungsvoll hinarbeitet. Der Schauspieler Christian Erdmann ist kaum in der Lage, "Zwischending" richtig auszusprechen. Er nuschelt es am Küchentisch, den die Bühnenbildnerin Stephanie Wagner nebst einem Häschenkäfig auf den schönsten Cumberlandschen Treppenabsatz gestellt hat, fidel und undeutlich in die Luft. Dort bleibt es muffig stehen.

          Zwischendinge aber müßten in der Luft schaukeln. Anne und Johann hängen bei Heckmanns in der Luft der Sprachspiele und schaukeln sich auf. Da gibt es nach sechs Schöpfungstagen, die naturgemäß auch Erschöpfungstage sind, keinen Ruhetag. "Und was machen wir jetzt?" am Ende ist kein Schluß, sondern ein Perpetuum mobile. In Hannover sind Christian Erdmann und Mila Dargies so ausgiebig von der Küchenspüle zum Bett, von dort zum Küchentisch und wieder zurück ganz reizend neben ihren Rollen hergehüpft, daß sie irgendwann keine Lust mehr am Schaffen und Erfinden zu haben schienen. Auch hielten sie sich sowieso alleweil die ganze Liebeserschafferei augenzwinkernd von Leibern und Seelen. Und hatten sich in der Regie der jungen Charlotte Roos über ihre Figuren auch immer ziemlich lustig gemacht. Was bleibt ihnen anderes übrig, als am Ende mit dem Mann vom Sozialamt, der hie und da hereinschneite und die Wohnung kontrollierte und den Matthias Buss als verklemmt wabbelnden Jungbeamten hinlegte, der es stolz und mit bunter Unterhose bis in Annes Bett schaffte, einfach in die Kantine abzuhauen - statt ewig weiter zu erfinden und zu erschaffen?

          Heckmanns entwirft ein Spiel mit lauter widersprüchlichen Möglichkeiten: Anne und Johann hassen sich, weil sie sich lieben. Sie wollen ersticken, weil sie sich Luft geben. Sie wollen auseinander, weil sie zueinanderfinden. Und jeder findet: Dort, wo du nicht bist, dort ist das Glück. Ein hochromantisch absurdes Paar. Aber federleicht. Sprachgeistvoll. In Hannover belacht man derbe, rechtschaffen naturalistische Wohnküchen-, Strumpfhosenzerreiß- und Ejaculatio-praecox-Witze während einer Art Liebes-Hüpf-Olympiade. Auf einer Nebenspielstätte. Anne als etwas nuttig aufgedonnertes Sensibelhühnchen in Mini und Stiefelchen, Johann als spätpubertärer Strubbel-Softie in Jeans und mit melancholisch verhängten Zwinkeraugen: zwei kleine, leicht regiegedopte, aufgedrehte Liebeslaiensportler, permament außer Rand und Band, aber ohne irgendeinen Schmerz.

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