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Libyen : Gaddafis Preis für Menschenrechte

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Wenn Gaddafi rief, kamen manche Intellektuelle gern: Die Preissummen waren nicht zu verachten Bild: Reuters

Nicht nur die Diplomatie und die Wirtschaft haben den Diktator hofiert: Auch honorige Literaten taten mit. Der Spanier Juan Goytisolo entzog sich einer Ehrung. Andere kamen, darunter so bekannte Politiker wie Manela und Erdogan.

          Der noch nicht endgültig bewerkstelligte Sturz Gaddafis führt zu Verwerfungen in der arabischen Kulturwelt. Auch die Araber hatten sich bekanntlich irgendwann an die Eskapaden des Revolutionsführers gewöhnt, ihre Kritik an seinem autoritären „Volksmassenstaat“ hielt sich zuletzt in Grenzen. Nun sucht man in den arabischen Medien offenbar das eigene schlechte Gewissen zu beruhigen, indem man Exilautoren mit Vorwürfen über ihre angebliche frühe Kollaboration mit dem Regime überhäuft. Solchen Anschuldigungen sieht sich jetzt der im Ausland wohl bekannteste libysche Romancier Ibrahim al Koni ausgesetzt. Der der Tuareg-Minderheit angehörende, 1948 in der westlibyschen Oase Ghadames geborene Schriftsteller verließ das Land 1970. Über verschiedene Zwischenstationen im damaligen Ostblock führte ihn sein Weg schließlich in die Schweiz, wo er seit achtzehn Jahren lebt.

          Das Bild seiner Tätigkeit im Exil, das sich aus seinen nun zahlreicheren Interviews in der europäischen Presse ergibt, ist irreführend. Al Koni war keineswegs, wie jetzt suggeriert wird, ausschließlich freier Journalist, sondern als Berichterstatter für die staatliche libysche Nachrichtenagentur wie als Presseberater mehrerer libyscher Botschaften, ob im Ostblock oder in der Schweiz, tätig – ein Dissident war er also nicht. Wohl auch aus Rücksicht auf noch in der Heimat lebende Familienangehörige hielt sich der Exilant mit direkter Kritik an Gaddafi stets zurück. Er zog es vor, auf seine zahlreichen Bücher zu verweisen, in denen er die Lage kritisch reflektiert haben will.

          Zurückhaltend äußerte sich al Koni denn auch in den ersten Tagen der libyschen Revolution und enttäuschte damit einen Teil seiner Bewunderer, die ihm vorhielten, sich viel zu spät zu Wort gemeldet zu haben. Gegenüber dem qatarischen Sender Al Dschazira wies al Koni den Vorwurf jedoch zurück: Nur wenige Tage vor dem Interview habe er auf einem Kulturfestival im omanischen Maskat das Vorgehen der libyschen Regierung verurteilt und das Publikum zu einer Schweigeminute für die Märtyrer der Revolution aufgefordert.

          Er verweigerte die Ehrung: Der spanische Schriftsteller Juan Goytisolo

          Goytisolos Absage

          Der Romancier muss sich nun aber noch weitere Schelte gefallen lassen. Weshalb, wird er gefragt, habe er in der Jury des 2007 ins Leben gerufenen „Internationalen Gaddafi-Preises für Literatur“ mitgewirkt, wo doch selbst ein Nichtaraber wie der spanische Autor Juan Goytisolo 2009 die Annahme dieser Auszeichnung verweigert hat? Der Vorwurf entbehrt nicht einer gewissen Heuchelei, denn seinerzeit stand keineswegs die Empörung über die Kooperation mit dem Regime im Mittelpunkt. Vielmehr erregte man sich darüber, dass Goytisolo, als Freund der Araber geschätzt, seine Ablehnung, die er damit begründete, Geld von dem „Putschisten“ Gaddafi nicht annehmen zu wollen, nicht dem Preiskomitee mitteilte, sondern damit gleich an die Presse ging.

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