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Libyen : Gaddafis Preis für Menschenrechte

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Zu seiner Verteidigung führt al Koni jetzt an, er habe damals geglaubt, mäßigend wirken zu können, jedoch seien seine guten Absichten missbraucht worden. Denn nach eigenem Bekunden hatte al Koni, der immer wieder sein Heimatland besuchte, 2007 Gaddafi in einem persönlichen Gespräch vorgeschlagen, einen „Arabischen Preis für Literatur“ ins Leben zu rufen; Gaddafis Kulturminister habe anschließend die Annahme dieses Vorschlags bestätigt. Zu seinem Entsetzen sei dann aber der ursprünglich beschlossene Name der Auszeichnung kurzerhand in „Internationaler Gaddafi-Preis für Literatur“ geändert worden, wogegen er vergebens protestierte. Vom Kulturministerium habe er schließlich nur die knappe Mitteilung erhalten, der Name der Auszeichnung sei nun einmal beschlossene Sache. Daraufhin habe er seine Zusage, in der Jury mitzuwirken, zurückgezogen. Wann dies genau geschah, ob vor oder nach Goytisolos medienwirksamer Absage, bleibt allerdings im Dunkeln.

Die Liste der Hofierten

Al Koni ist nicht der einzige arabische Intellektuelle, der jetzt wegen seiner Kontakte zum Gaddafi-Regime in die Kritik geraten ist. Nach dem Fiasko mit Goytisolo hatte man den ägyptischen Literaturkritiker Gaber Asfour, der dem früheren Mubarak-Regime nahestand, als Kandidaten ins Auge gefasst. Asfour hatte, anders als Goytisolo, keinerlei Bedenken und nahm 2010 die mit beachtlichen 150 000 Euro dotierte Auszeichnung, mit der besondere Verdienste um die „Freiheit“ gewürdigt werden, gerne entgegen. Nun hat er, der in der ersten Übergangsregierung Ägyptens kurz als Kulturminister amtierte, erklärt, er verzichte auf den Preis und werde das Geld zurückgeben. Die gewaltsame Unterdrückung sei mit den Werten, die der Preis propagiere, nicht vereinbar.

Mit der Entgegennahme des Preises hatte Asfour allerdings zum Ruhm des Diktators beigetragen, der bei diesem Anlass von seinen Kulturbeamten wieder einmal als großer Förderer von Literatur, Kunst und Freiheit gefeiert wurde. Nachzulesen ist dies auch heute noch auf der Internetseite, die Gaddafis Propagandisten eingerichtet haben und die auch Fotos des freudestrahlenden Laureaten Asfour zeigt.

Mandela kam, und zuletzt auch Erdogan

Der Ägypter ist nicht der Einzige, der sich von Gaddafi hofieren ließ. Seit 1989 gab es Jahr für Jahr auch den „Internationalen Gaddafi-Preis für Menschenrechte“. Die Liste der Geehrten ist lang, den Anfang machte Nelson Mandela, jüngster Preisträger war der türkische Ministerpräsident Erdogan. Auch Ibrahim al Koni findet man dort wieder, er erhielt den Preis 2002. Gemeinsam mit ihm wurden ausgezeichnet der französische Holocaust-Leugner Roger Garaudy und der schweizerische Soziologe Jean Ziegler. Dieser, ein in Tripolis gern gesehener Gast, dem seine Landsleute 2006 vorgeworfen hatten, in der Gründungsphase der Preisjury angehört zu haben, hat dies bestritten.

Die Ehrung durch den „Gaddafi-Preis für Menschenrechte“, den er einst als „Anti-Nobelpreis der Dritten Welt“ begrüßt hatte, nahm er nach eigenem Bekunden nicht entgegen. Gleichwohl taucht sein Name auf einer Liste der preisbezogenen Veranstaltungen auf. Demnach soll Ziegler, neben Roger Garaudy und auch Ibrahim al Koni, Ende September 2002 an einer Tagung in Tripolis teilgenommen haben, die wenige Tage vor der offiziellen Bekanntgabe der Gewinner stattfand. Sie trug den Titel „Muammar al Gaddafi: Schriftsteller und Schöpfer“.

Al Koni hielt, ausweislich des Tagungsprogramms, den Vortrag „Die Dschamahirija: Das Lied der Wahrheit“. Wenn der libysche Schriftsteller heute, wie zuletzt gegenüber Al Dschazira, behauptet, er sei Staatsfeind Nummer eins des Gaddafi-Regimes gewesen, so wird man daran wohl zweifeln dürfen.

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