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Lexikon : Das war Rot-Grün: L wie Lindenstraße

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Bild: FAZ.NET

Die „Lindenstraße“ war schon rot-grün, bevor Rot-Grün es selbst war. Wer es in der ARD-Fernsehserie wagte, rechter als links zu sein, der hat sich in seinem Schicksal in ganz widerwärtiger Weise verheddert.

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          Vielleicht hätte der Kanzler Hans W. Geißendörfer anrufen sollen. Bevor er aufgab und die Flucht in die Neuwahl antrat. Bloß, weil die Zahlen schlecht sind!

          Die Zahlen der Lindenstraße sind seit Jahren sogar grottenschlecht, und trotzdem denkt ihr Erfinder und Produzent Hans W. Geißendörfer nicht im Traum daran, aufzuhören. Als noch acht, neun Millionen die Lindenstraße einschalteten, hatte Geißendörfer einmal in einem unvorsichtigen Moment gesagt, sollten es einmal weit weniger als sechs Millionen seien, dann sei Schluß. Jetzt sehen im Durchschnitt noch 4,5 Millionen zu. Und? Gerade wurde die Lindenstraße bis 2008 verlängert.

          Guck doch Lindenstraße

          Aber das ist ja auch gut so. Gerade jetzt, wo sich absehen läßt, daß die Kleinen eines Tages vom Geschichtsunterricht nach Hause spurten und aufgeregt in die Küche rufen, wie war das denn damals, so unter Rot-Grün? Dann wird Papa zu ausschweifenden Erklärungen anheben, und die Kleinen werden immer verdatterter gucken, weil sie nicht wissen, was Hartz IV sein soll (siehe auch: Rot-Grün-Lexikon: H wie Hartz, Peter) und was ein Doppelpaß und was eine Föderalismuskommission. Aber dann wird Mama sagen, guck doch sonntags Lindenstraße, dann weißt Du's. Denn die Lindenstraße war rot-grün vor Rot-Grün. Und wird rot-grün bleiben, wenn Rot-Grün schon lange ein Ende hat. Denn Rot-Grün ist nur eine Episode. Die Lindenstraße aber ist eine Serie.

          Wer zu rechts ist, den bestraft das Drehbuch: Else Kling hat nichts zu lachen
          Wer zu rechts ist, den bestraft das Drehbuch: Else Kling hat nichts zu lachen : Bild: picture-alliance/ dpa

          In der Lindenstraße wurde die bildhübsche Nigerianerin Mary schon trickreich ins Land geholt, als noch niemand wußte, daß das über Kiew viel einfacher ging. Haben die Schwulen schon geheiratet, bevor die eingetragene Lebenspartnerschaft erfunden wurde. Wurde die Atomkraft schon ausgeknockt, als sich noch kein Mensch etwas unter Restlaufzeiten vorstellen konnte (siehe auch: Rot-Grün-Lexikon: A wie Atomausstieg). Vor allem aber hat sich in der Lindenstraße noch jeder, der auch nur im Verdacht stehen könnte, rechts von links zu sein, in seinem Schicksal in ganz widerwärtiger Weise verheddert. Wie Else Kling mit ihrem mißratenen Sohn. Ganz zu schweigen von Ludwig Dressler.

          Der stramme Onkel Franz

          Ludwig Dressler würde bestimmt die Union wählen. Seit seinem Unfall in Folge 169 sitzt er im Rollstuhl, seine Frau ist früh gestorben, die neue Liebe hat sich rasch wieder scheiden lassen, der Alkohol hat ihn fast dahingerafft, der eine Sohn hat ihn betuppt, der andere hat sich eine Doktorarbeit erschlichen, und das Straßenmädchen, das er aufgenommen hat, beklaut ihn. Das ist viel, und doch ist er noch gut weggekommen. Onkel Franz, der schlimme Finger, wurde für seine stramme Gesinnung mit Vergeßlichkeit, Tatterigkeit und Alterswahnsinn bestraft.

          Nur beim Verkehr (siehe auch: Rot-Grün-Lexikon: K wie Klimmt, Reinhard) ist das rot-grüne Projekt in der Lindenstraße nie recht vorangekommen. Fast alle fahren Auto. Gut, Andy Zenker hat mal mit einem Solarmobil geliebäugelt. Aber später war nie wieder die Rede davon. Manchmal fährt ein stinkender Bus durch die Lindenstraße. Dabei ist schon in Folge 268 der Kiosk, in dem zuletzt Berta Griese einen Buchladen unterhielt, für einen U-Bahn-Eingang abgerissen worden. Der dann aber nie gebaut wurde.

          Nicht einmal eine Tempo-30-Zone ist die Lindenstraße, obwohl hier nicht nur Ludwig Dressler zum Krüppel gefahren wurde, sondern Stefan Nossek und Claudia Rantzow sogar ums Leben kamen! Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Die Lindenstraße hat ja noch soviel Zeit, mindestens mal bis 2008. Ganz anders als der Kanzler.

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