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Jürgen Kaube (kau)

Stellungnahme der Leopoldina : Halle berät

  • -Aktualisiert am

Kleine Klassengrößen, und Abschlussjahrgänge zuerst: Nach und nach sollen die Schulen wieder geöffnet werden. Bild: dpa

Zur Wiederinbetriebnahme des öffentlichen Lebens gibt es keine Forschung. Kein Wunder, dass die „Ad-hoc-Stellungnahme“ der Leopoldina vor allem Allgemeinplätze und wohlfeile Forderungen versammelt.

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          Die Leopoldina in Halle ist die „Nationale Akademie der Wissenschaften“. Es wird in ihr aber nicht geforscht. Sie ist vielmehr eine Versammlung reputierter Professoren, die sich Politikberatung zutrauen. Ihre jüngste Stellungnahme zeigt, was das heißt. Es ist die dritte „Ad-Hoc-Stellungnahme“ der Akademie zur Corona-Pandemie.

          Ad hoc, das heißt: nicht auf Forschung beruhend. Wie auch anders, denn es gibt gar keine Forschung zu dem, wovon nun die Professoren dreist behaupten, sie hätten einen Begriff davon: die Wiederinbetriebnahme des öffentlichen Lebens. Tatsächlich versammelt ihr Text fast nur Allgemeinplätze, Wertebeschwörungen und wohlfeile Forderungen, die von Theologen, Werkstofftechnikern, Katalyseforschern und Sozialhistorikern unterschrieben worden sind: Es seien dringend mehr Daten über die Pandemie erforderlich, Selbstschutz und Solidarität seien wichtiger als Sanktionen, Risikogruppen bedürften der Hilfe. Außerdem „sollte die Zahl der Neuinfektionen so weit wie möglich kontrolliert auf einem niedrigen Niveau gehalten werden.“ Und: „Maßnahmen für die schrittweise Rückführung in einen gesellschaftlichen ‚Normalzustand‘ müssen neben dem Istzustand der Pandemie deren zu erwartenden Verlauf berücksichtigen.“

          Rein in die Maßnahme, raus aus der Maßnahme

          Der Aufklärung förderliche Informationen müssten von den zuständigen Stellen bereitgestellt werden, absolute Zahlen seien durch aussagekräftige Vergleiche zu ergänzen. „Zielkonflikte müssen identifiziert und bei der Entscheidungsfindung abgewogen werden“. Man soll also, kurz gesagt, keinesfalls das offenkundig Unsinnige tun.

          Dann aber doch ein konkreter Vorschlag: Die Schulen sollen baldmöglichst wieder geöffnet werden. Die Krise führe nämlich zu einem Rückgang der Lernleistungen. Als erstes sollen die Schüler der Abschlussklassen in den Grundschulen wieder direkt unterrichtet werden; dann die Sekundarstufe 1. Aber natürlich nur in kleinen Gruppengrößen, mit gestaffelten Pausen und nur in den wichtigsten Fächern. Soeben hieß es noch, die Schulen seien der jüngeren Schüler wegen geschlossen worden, weil ihnen das Befolgen aller Hygienegebote nicht abverlangt werden könne. Jetzt soll ihre geringere Fähigkeit zu digitalem Lernen den Ausschlag geben, sie als erste in die Schulen zurückzuholen. Dabei darf natürlich der Schulhof „nicht zum Austauschort für Viren werden.“

          Und das Klassenzimmer? „Eine Gruppengröße von maximal 15 Schülern wäre möglich, wenn entsprechend große Klassenräume zur Verfügung stehen“. Und entsprechend viele Lehrer. Ja, wenn. Wäre dann aber die Schließung der Schulen überhaupt nötig gewesen? Rein in die Maßnahme, raus aus der Maßnahme, Hauptsache Technokratie, dafür aber mit der Produktion guten Gewissens für Politiker, die nun sagen können: „Die Wissenschaft hat festgestellt“, auch wenn sie nur ein bisschen ohne Daten vor sich hingeredet hat.

          Jürgen Kaube
          Herausgeber.

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