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Leipzigs Denkmalstreit : Einheitsbrei

  • -Aktualisiert am

Die Stadt Leipzig muss diverse Schritte des verkorksten Wettbewerbs für ihr Freiheitseinheitsdenkmal wiederholen. Wie gut, dass es nun nicht rechtzeitig fertig wird! Aber wie wäre es mit einer ganz anderen Anlage der dafür eingeplanten Mittel?

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          Das Sächsische Oberlandesgericht hat jetzt in einem Urteil (Az. Verg 9/13) zum verkorksten Freiheitseinheitsdenkmalwettbewerb einer Gruppe Architekten recht gegeben: den bislang vermeintlich unterlegenen unter drei „Wettbewerbssiegern“. Die Architekten hatten Beschwerde gegen Teile des Vergabeverfahrens der Stadt Leipzig eingelegt. Ihr Entwurf, 70.000 Blechhocker für den Platz der ersten Großdemonstration von 1989, die jeder erinnerungsfrohe Bürger sogar hätte mitnehmen dürfen, rutschte irgendwann zurück auf Platz drei. Denn das Volk, in Phase zwei des Wettbewerbs nach seiner Meinung befragt, wählte diesen Favoriten ab.

          Das Volk wollte den Schrebergarten: Entwurf der Leipziger Anna Dilengite, Tina Bara und Alba d’Urbano
          Das Volk wollte den Schrebergarten: Entwurf der Leipziger Anna Dilengite, Tina Bara und Alba d’Urbano : Bild: dpa

          Es entschied sich, bei magerer Wahlbeteiligung, für ein Projekt namens „Herbstgarten“ mit Apfelbäumchen. Interpretiert wird dieses Votum - und die Kommentare im Netz bestätigten es - dahin gehend, dass die revolutionäre Schrebergartenvariante den Leipzigern lieber war, weil es sie so wenig an ein Denkmal erinnert. Denn Leipzig hat ja bereits zwei akzeptierte, demselben Ereignis gewidmete Denkmale. So wie in Berlin für immer und alle das Brandenburger Tor die Weltenwende von 1989 symbolisiert. Aber auch Berlin soll ja dereinst sein eigenes Einheitsdenkmal kriegen: eine goldglänzende Wippe auf den Schlossplatz. Zehn Millionen Euro stehen bereit für dieses teure Geschenk an die freiheitsbewegte Spaßgesellschaft.

          Dabei ließe sich das Geld doch sinnvoll anlegen

          Mit der Entscheidung des Oberlandesgerichts in Dresden wird jetzt die Stadt Leipzig verpflichtet, diverse Wettkampfschritte zu wiederholen. Eigentlich ist das eine gute Nachricht, denn weder das eine noch das andere (vorgeschlagene) Freiheits- und Einheitsdenkmal wird dann rechtzeitig zum 25. Jahrestag von Heldenstadt-Großdemonstrationen und Mauerfall fertig. Obwohl alle drei preisgekrönten Entwürfe für Leipzig behaupten, die Revolution von 1989 zu feiern, zeichnen sie sich doch durch eine vordergründige Ereignisferne aus. Dass sich daran viel ändert, wenn die Stadt, durch diesen Gerichtsbeschluss verpflichtet, ihre Bewertungskriterien für die Überarbeitung offenlegt, darf bezweifelt werden.

          Die Kritik an den Denkmalsplänen hat sich nicht gelegt, und ob man sie überhaupt braucht, in Leipzig wie in Berlin, steht mehr denn je in Frage. Könnte man das viele postrevolutionäre deutsche Steuergeld - mit den zehn Millionen für Berlins Goldene Einheitswippe wären es insgesamt fünfzehn Millionen Euro - nicht sinnvoller anlegen? Zum Beispiel in die demokratische Zukunft der Ukraine, für die Helden des Majdan, deren prekäre Ausstattung noch vor aller Augen ist - statt sich im gedenkseligen Deutschland in immer absurderen Varianten selbst zu feiern?

          Regina Mönch
          Freie Autorin im Feuilleton.

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