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Leipziger Propsteikirche : Dieser Kirche droht Gefahr aus dem Inneren

Die Baustelle der Propsteikirche St. Trinitatis vor dem Neuen Rathaus in Leipzig im Mai 2014 Bild: Picture-Alliance

Kein feste Burg ist die neue Leipziger Propsteikirche St. Trinitatis. Gefahr droht ihr aus dem eigenen Geläut: ausgerechnet durch ihre kleinste Glocke, die selbst Einschmelzung und Bombennächte überstand.

          Heute noch schweigen die Glocken. Erst in der Osternacht erklingen sie wieder; bei Katholiken heißt es, in der Zwischenzeit seien sie nach Rom geflogen. So kann denn auch der Turm der neuen Leipziger Propsteikirche St. Trinitatis noch still verträumt vor sich hinstehen: fünfzig Meter hoch, direkt gegenüber vom Rathaus, scheinbar unerschütterlich, weil mit jenem in der Nähe abgebauten roten Porphyr verkleidet, der auch das Völkerschlachtdenkmal wehrhaft wirken lässt.

          Ein feste Burg ist dieses Gotteshaus, um – geschriebene Ökumene – einen Satz aus den protestantischen Gesangsbüchern zur Charakterisierung des katholischen Kirchenbaus heranzuziehen. Im Zweiten Weltkrieg war die alte, zweihundert Meter weiter gelegene Trinitatiskirche zerbombt worden; die DDR gestattete zwar einen Ersatzbau, aber der musste in feuchtem Gelände stadtauswärts errichtet werden.

          Die zerstörerische Kraft der unzerstörten Glocke

          Nun kehren die Katholiken, deren Zahl im ehedem stockprotestantischen Leipzig durch Zuzug aus dem Westen kontinuierlich wächst, ins Zentrum zurück, und aller Protest in der überwiegend agnostischen Bevölkerung gegen den prominenten Standort des größten Kirchenneubaus in den östlichen Bundesländern seit der Wende brachte das Vorhaben nicht mehr ins Wanken. Das jedoch tut nun das Geläute von St. Trinitatis. Es soll aus sechs Glocken bestehen, und ausgerechnet die kleinste erzeugte beim kürzlich durchgeführten Probelauf derart hohe Anschlagsfrequenzen, dass dem Turm der Einsturz drohen könnte.

          Eine Kirche, die das Läuten nicht verträgt? Kein feste Burg ist dieses Gotteshaus. Aufs Glöcklein verzichten möchte die Gemeinde aber auch nicht, handelt es sich doch um ein 1937 für die ursprüngliche Trinitatiskirche gegossenes Exemplar, das nicht nur der Einschmelzung im Krieg, sondern auch der Zerstörung beim Bombenangriff entging. Wird die Glocke nun selbst zerstörerisch tätig? An diesem Samstag vor Ostern ist sie mit ihren Schwestern aber noch in Rom, und den Rückflug in der kommenden Nacht muss man in Leipzig nicht fürchten, denn die Propsteikirche wird erst am 9. Mai geweiht, und die Glockenweihe steht gar erst Ende des Jahres an. Bis dahin könnte ein die schädlichen Schwingungen ausgleichendes Gegenpendel eingebaut werden. Dann könnte man Gott in Leipzig allerdings nicht mehr in den höchsten Tönen loben.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

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