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Leipziger Buchmesse : Schützt das Wort!

  • -Aktualisiert am

Gute Tradition: Die Eröffnung der Buchmesse im Gewandhaus Bild: dpa

Die Leipziger Buchmesse beginnt mit einem Plädoyer für das Urheberrecht und feiert zwei Historiker und deren Werke über die dunkelsten Kapitel der deutschen Vergangenheit.

          Die Leipziger Buchmesse beginnt traditionell im Gewandhaus der Stadt. Es ist ein sehr festlicher Rahmen für eine Veranstaltung, die seit Jahren dazu dient, die Messebesucher einzustimmen und einzuschwören und die daher stets nach einem Muster verläuft, das sich bewährt hat: Zunächst begrüßt der Oberbürgermeister die Gäste und freut sich darüber, dass die Hotels in seiner Stadt wieder so schön ausgebucht sind; dann gibt der Vorsteher des Deutschen Börsenvereins, Gottfried Honnefelder, den Ton für nächsten Tage vor – und an dieser Stelle wurde es am Mittwochabend interessant.

          Lena Bopp

          Redakteurin im Feuilleton.

          Denn Gottfried Honnefelder setzte seine Rede im Grunde da fort, wo er sie im vergangenen Herbst bei der Buchmesse in Frankfurt beendet hatte – allerdings in verschärften Tonlage. Bislang habe er seinen Beruf als kreativ erlebt, sagte er, „jetzt lese ich, die Verlagsmenschen seien als Rechteverwerter, Inhaber von Nutzungsrechten, als Makler von Inhalten Angehörige einer Content-Mafia“. Die lauter werdenden Diskussion um das in Deutschland geltende Urheberrecht, vor deren Folgen er schon in Frankfurt eindringlich gewarnt hatte, „lässt mich über die Rahmenbedingungen unseres Berufsstandes nachdenken, so wie ich es in den vergangenen 38 Jahren meiner beruflichen Tätigkeit nicht getan habe“.

          Ausgezeichnet: Die Historiker Snyder (l.) und Kershaw

          Für Honnefelder sind der Schutz des Urheberrechts und der freie Zugang zu Informationen zwei Anforderungen die sich ergänzen, nicht widersprechen: „Zum Grundrecht auf freie Meinungsäußerung gehört das Recht am geistigen Eigentum und das Recht auf Selbstbestimmung hinsichtlich Umfang und Dauer der Verbreitung der eigenen Meinung.“ Die Arbeit all derer, die kulturelle Inhalte entdecken, veredeln und der Öffentlichkeit gegenüber sichtbar machen, möchte Honnefelder daher besonders geschützt wissen.

          Wie bedeutend diese tatsächlich ist, und wie viele Rädchen ineinandergreifen müssen, bis sehr gute Bücher entstehen, offenbarten dann die beiden Preisträger des Abends in ihren Dankesreden. Die Geschichtswissenschaftler Ian Kershaw und Timothy Snyder erhielten den Buchpreis zur Europäischen Verständigung zu je gleichen Teilen: Der Brite Kershaw wurde für sein Werk „Das Ende. Kampf bis in den Untergang“ geehrt, das der Frage nachgeht, warum die Deutschen während des Zweiten Weltkriegs nicht nur bis zum bitteren Ende kämpften, sondern das Dritte Reich auch bis zum Schluss funktionierte. Der Amerikaner Timothy Snyder wurde für sein Buch „Bloodlands. Europa zwischen Hitler und Stalin“ ausgezeichnet – es schildert, wie den Vernichtungsphantasien der totalitären Regime innerhalb von 12 Jahren etwa 14 Millionen Menschen in Osteuropa zum Opfer fielen.

          Beide Historiker sprachen aber nur kurz vom je eigenen Anteil am Entstehen ihrer Werke und verwiesen stattdessen auf jene, die ihnen dabei geholfen haben: von Verlegern, Übersetzern, Archivaren, befreundeten Wissenschaftlern über Lehrer, Freunde und Familie bis hin zu jenen Menschen, die während der Herrschaft des Terrors unter Todesangst aufschrieben, was um sie herum und ihnen geschah.

          „Ein Buch wie dieses wäre nicht möglich gewesen ohne die Zettel, die Menschen aus Bussen warfen, als sie zu ihrer Hinrichtung außerhalb von Warschau oder Vilnius gefahren wurden. Ohne die Tagebücher polnischer Offiziere, die in Katyn und anderswo erschossen wurden“, sagte Snyder. Ein besseres Plädoyer für das geschriebene Wort konnte man sich nicht wünschen.

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