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Spielzeug aus Bioplastik? : Lego mit Greta

Jetzt wird’s grün: Lego will weniger Plastikmüll produzieren. Bild: obs

Im Jahr 2030 will Lego nur noch Klötzchen aus biologisch einwandfreiem Material herstellen. Doch das bereitet dem dänischen Spielzeughersteller viel mehr Probleme als gedacht.

          Bevor wir jetzt wieder anfangen darüber nachzudenken, wo sich das intellektuell anregendere Spielzeug findet, im Lego- oder Fischerbaukasten, müssen wir auf deren wacklige Zukunft zu sprechen kommen. 2030 rückt erbarmungslos näher. Und Gretas Generation wird über kurz oder lang auch mit denen die Geduld verlieren, die nicht nur klimapolitisch versagen, sondern den Kindern auch noch weismachen wollen, dass Grüne Soße der neue Waldmeisterwackelpudding ist.

          2030 ist für Lego das Jahr der ökologischen Wahrheit. Dann, so hat der dänische Spielzeugriese längst fest versprochen, will man nur noch solche Klötzchen liefern, die zu hundert Prozent aus Bioplastik hergestellt sind. Versprechen hält man besser, das ist eiserne Erziehungsregel. Deshalb hat der Konzern auch keine Wahl und 120 Millionen Euro in die Hand genommen, außerdem sollen sukzessive hundert neue Bio-Lego-Forscher eingestellt werden.

          Geholfen hat alles bisher nicht viel: Unter den zweihundert naturchemischen Verbindungen, die man aus Mais, Weizen oder Zuckerrohr gewonnen hat, um die besonders diffizilen Bau-, Farben- und Wiederverwertungseigenschaften nachzuahmen, ist nichts dabei, das den Plastikklötzen aus Erdöl das Wasser reichen kann. Deshalb hören wir jetzt immer öfter, Lego führe einen verzweifelten Kampf gegen die Chemie und für die Natur. Das ist natürlich Grüne Soße, denn wenn die Bio-Klötzchen aus dem Baukasten der Natur stammen und gleichzeitig die sehr spezifischen Eigenschaften von Legos – Härte, Haltbarkeit und Harmlosigkeit – erhalten sollen, dann bleibt ja vom Bio, wie es die jungen Leute verstehen, nicht viel.

          Zweierlei kann Bio hier nämlich nur bedeuten: biologisch abbaubar oder biologisch angebaut. Mit Letzterem kokettiert Lego besonders gerne, Stichwort: nachwachsende Rohstoffe. Schon das Zuckerrohr jedoch, das für die ersten zwei Prozent der bislang ausgelieferten Bio-Klötzchen verwendet wurde, muss seine Demetertauglichkeit erst noch beweisen, um für die übliche Lego-Produktion – mindestens acht Millionen Klötzchen pro Stunde – in Frage zu kommen. Und was die biologische Abbaubarkeit angeht, hat der Klötzchengigant keine große Wahl. Kaufest müssen die Steine schon bleiben, und was so hart ist, dass es auch nach tausendmaliger Verwendung noch makellos funktioniert, ist auch für die Natur schwer zu knacken.

          An der Küste der englischen Halbinsel Cornwall werden heute noch Schwerter, Flossen und Figuren angespült, die 1997 bei einem Frachterunglück mit fünf Millionen anderen Legobausteinen ins Meer gelangten. Mag sein, dass 2030 endlich Schluss ist. Von da an werden nur noch Klötzchen mit Bio-Siegel baden gehen.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

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